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Hallo Schnuderi, so ist die neue «Wilder»-Folge

Die zweite Staffel der SRF-Serie beginnt mit «Blut» – und verbindet Verbrechen und träfe Sprüche.
Die zweite Staffel der SRF-Serie beginnt mit «Blut» – und verbindet Verbrechen und träfe Sprüche.

Das Beste an «Wilder» ist, wenn die Mordkommission-Ermittlerin Rosa Wilder und der Bundespolizist Manfred Kägi aufeinandertreffen. Das war in der ersten Staffel so. Das ist es auch in der zweiten Staffel, die drei Jahre später spielt. So lange haben sich die beiden aus den Augen verloren, jetzt kommen sie sich bei einem neuen Fall wieder in die Quere. Zum Ende der ersten Folge finden sie Zeit für ein paar klärende Worte: «Irgendwie habe ich dich sympathischer in Erinnerung», sagt er. «Gleichfalls», antwortet sie. Spätestens in diesem Moment wissen wir: Es kommt gut.

Die auf Zuneigung und Frotzelei basierende Beziehung zwischen den Ermittlern ist zum Glück dieselbe. Er, gespielt von Marcus Signer, trägt immer noch Cowboystiefel, wie damals im Schnee der ersten Staffel. Sie dagegen, gespielt von Sarah Spale, hat neu einen Mann im Bett. Nein, es nicht ihr Liebhaber, sondern ihr zweijähriger Sohn, dessen Vater ein gewisser John aus den USA sein soll. «John Wayne?», will Kägi wissen. «Genau der!», gibt Wilder zurück.

[embedded content]Trailer der zweiten Staffel.

Auch sonst ist vieles neu in der Zweitauflage, die nicht mehr im Berner Oberland, sondern im Jura spielt. Da gibt es nebelverhangene Schluchten, verwunschene Wälder und herrliche Herbstlandschaften, der Winter ist in der ersten Folge namens «Blut» (noch?) nirgends in Sicht. Aber zum Jura gehören Pferde, mit Bildern von den nächtlich weidenden Tieren beginnt alles. Natürlich ist es schnell vorbei mit der Idylle, bald ertönen Hilfeschreie, es fallen Schüsse.

Die lokale Polizei bilanziert am nächsten Morgen: Drei Tote, zwei davon sind eingebürgerte Albaner, die mit Drogen zu tun gehabt haben könnten. Dazu kommt eine Spitex-Mitarbeiterin, die in keinerlei Verbindung mit den anderen zu stehen scheint. Und dann gibt es auch noch ein Auto mit von innen aufgebrochenem Kofferraum. Voilà, es ist angerichtet für die an den Tatort berufene Rosa Wilder.

Fest in der Sägerei des Dorfkönigs

Die Schwierigkeit der ersten Folge einer Serie ist ja stets, das ganze Personal vorzustellen, ohne dass es langweilig wird. Und weil die zweite Staffel an einem neuen Ort spielt, muss diese Arbeit sozusagen ein zweites Mal geleistet werden: Es gibt selbstverständlich auch im Jura zahlreiche Verdächtige aus dem fiktiven Dorf Thallingen und dessen Umgebung. Das Besondere daran: Alle waren am Abend der Tat an einem grossen Fest in der Sägerei des Dorfkönigs – Ueli Jäggi spielt ihn wunderbar – vereint. Dort sassen die Opfer, dort sass die lokale Polizei (Manuela Biedermann, Caspar Käser), dort sass vermutlich auch die Täterschaft. Aber keiner will etwas gesehen haben.Wieder gemeinsame Zigaretten: Kägi (Marcus Signer) und Wilder (Sarah Spale). (Foto: SRF)

Regie führt auch jetzt wieder der in Zürich lebende Freiburger Pierre Monnard. Er tut dies mit aller Routine aus den ersten Folgen. Dabei präsentiert er wunderbare Jura-Bilder, die einen «Twin Peaks»-Einschlag haben (der Fluss, die Sägerei!), inszeniert es aber als klassischen Wer-war-es?-Krimi, der erst in der sechsten und letzten Folge aufgelöst wird. Fast nebenbei fächert er das ganze dafür infrage kommende Personal mit einprägsamen Gestalten auf. Und streut, zusammen mit Drehbuchautor Béla Batthyany, herrliche Dialektausdrücke wie «Schnuderi» ein. Als solchen bezeichnet Kägi seinen Neffen (Gilles Marti), der heftig in den Fall verwickelt zu sein scheint. Und auch dessen Mutter (Doro Müggler) benimmt sich seltsam.

Es wird also dieses Mal persönlich für den Bundespolizisten. Der Auftakt ist auch diesbezüglich gelungen. Aus der ersten Staffel tauchen nur noch wenige Personen auf, darunter Rosas Vater, der ja damals – neben ihrer Gotte – einer der Täter war. Jetzt wird er aus dem Gefängnis entlassen. Dass dies ausgerechnet an einem Sonntag geschieht, kann man sich bei der Schweizer Bürokratie zwar schlecht vorstellen. Aber was will man da herummäkeln? Kägi und Wilder haben sich ja noch nie um Bürokratie gekümmert.

«Wilder» läuft jeweils dienstags, 20.05, auf SRF 1

Erstellt: 07.01.2020, 22:32 Uhr

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