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Vor Wahl in Taiwan: Die Widerspenstige gegen den China ...

Taiwans amtierende Präsidentin Tsai hat gute Chancen auf Wiederwahl. Das liegt auch an ihrer klaren Haltung zum großen Nachbarn. Ihr china-freundlicher Konkurrent hat es schwer.

Von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Dicht gedrängt stehen die Anhänger von Han Kuo-yu am späten Abend auf dem Gelände vor dem Präsidentenpalast in Taipeh. An kleinen Ständen verkaufen fliegende Händler für umgerechnet 1,50 Euro Flaggen in rot und blau. Hier und da sitzt auch einer auf der Erde und singt ein Lied.

Drei ältere Frauen um die 60 Jahre sind glühende Anhänger des Kandidaten der Oppositionspartei Kuomintang. Er sei ein aufrichtiger Mann und mache seine Sache richtig: "Wir hoffen, dass er das Land sicher macht und die Leute reich", sagen sie. Wie genau ihm das gelingen soll, können sie nicht sagen.

Han sorgte für negative Schlagzeilen

Auch ein anderer Taiwaner will für Han stimmen, der zugleich Bürgermeister der südlichen Stadt Kaohsiung ist. Obwohl der im vergangenen Jahr für viele negative Schlagzeilen gesorgt hatte: Er soll in zweifelhafte Immobiliengeschäfte verwickelt gewesen sein, sich um einen Ausreiseantrag nach Kanada bemüht haben, er soll spielen, trinken und fremdgehen.

"Wenn Han nach Dienstschluss trinkt, ist mir das egal, das geht keinen was an. Auch Tsai Ing-Wen geht nach ihrem Dienst nach Hause und kümmert sich um ihre Katzen. Und das mit dem Fremdgehen ist eine Lüge. Das sind alles Verleumdungskampagnen der Demokratischen Fortschrittspartei DPP."

Han Kuo-yu | Bildquelle: dpa

Argumente, die man an diesem Abend oft hört. Mitten in der Menschenmasse steht auch ein 24-Jähriger mit seiner Freundin. Er sei zwar kein großer Fan von Han, aber mit ihm als Präsidenten würden sich sicher die Beziehungen zu China wieder verbessern, sagt er: "Wenn Han an die Macht kommt, wird es weniger Konfrontationen mit China geben. Und wenn Taiwan weniger provoziert, dann sind auch die Chinesen freundlicher. Aber davon abgesehen glaube ich nicht, dass die Chinesen Taiwan angreifen würden."

Tsai liegt vor Han

Auch wenn er es sich anders wünscht, glaubt er doch: Tsai werde einen zweiten Sieg einfahren. Das sagen seit Monaten auch alle Meinungsumfragen. Darin liegt die amtierende Präsidentin um mindestens zehn Prozentpunkte vor ihrem Gegenkandidaten Han.

Für Nathan Batto von der renommierten Akademie der Wissenschaften in Taipeh liegt das nicht nur an ihrer klaren Distanz zu China und den verbesserten Beziehungen zu den USA: "Taiwan hat sich in diesem Jahr wirtschaftlich sehr gut entwickelt. Tsai hat viele Infrastrukturmaßnahmen in Angriff genommen und hat neue Projekte angestoßen. Die Regierung hat viel Geld für den sozialen Sektor bereitgestellt und hat viel investiert in die Betreuung von Kindern und alten Menschen."

Tsai Ing-wen | Bildquelle: AFP

In die Hände gespielt hätten ihr vor allem die Fehltritte von Han und auch die Proteste in Hongkong. Obwohl das Verhältnis zu China auch sonst ein Thema im Wahlkampf gewesen wäre.

Tsai für Souveränität Taiwans

Wesentlich kleiner als die Wahlveranstaltung für den Kandidaten der chinafreundlichen Kuomintang ist am Abend der Auftritt des Heavy-Metal Sängers Freddy Lim. Er will als unabhängiger Kandidat ins Parlament und wirbt zugleich dafür, für Tsai zu stimmen.

Zwei junge Frauen werden genau das auch tun: "Tsai hat sich für Gleichheit, also die gleichgeschlechtliche Ehe eingesetzt, das finde ich gut. Auch was die Souveränität Taiwans betrifft hat sie - meiner Meinung nach - einen klareren Standpunkt vertreten und sich klarer abgegrenzt."

Diese Abgrenzung zeige bereits erste Erfolge. Ein Stück weiter steht ein 73-jähriger Taiwaner. Bei dem Namen Han winkt er müde ab. Der sei kein guter Typ, sagt er. Er will seine Stimme auf jeden Fall der amtierenden Präsidentin geben: "Wenn Tsai gewinnt, werden sich die Beziehungen zu China nicht verändern, aber wenn der Han gewählt wird, dann ist Taiwan am Ende."

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