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Super League: FCZ-Trainer André Breitenreiter im grossen Interview

Er ist die Trainerentdeckung dieser Saison: FCZ-Coach André Breitenreiter macht einen tollen Job. Das Gespräch über seine Strategie und sein neues Leben in Zürich.
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    Auf Entdeckungsreise: André Breitenreiter auf dem Uetliberg.

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    «Der FCZ könnte in der Bundesliga antreten», sagt Breitenreiter.

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    «Das Klima ist nicht so aufgeheizt wie in der Bundesliga», sagt Breitenreiter über die Schweiz.

Interview Felix Bingesser, Fotos Benjamin Soland

Es ist 35 Grad heiss im letzten Juli in Zürich. In der Stadt, in der André Breitenreiter am Tag zuvor angekommen ist. In einem Land, in dem der neue FCZ-Trainer in seinen 48 Lebensjahren noch nie gewesen ist. Breitenreiter schaut vom Trainingsgelände auf den Uetliberg. Und sein Goalie-Trainer sagt: «Lauf doch heute mal rauf.» Nach einer Stunde erkundigt sich der schnaufende Breitenreiter telefonisch: «Wie weit ist es noch?»

Jetzt steht der Mann, der in den letzten drei Monaten den FCZ wachgeküsst hat, wieder auf dem Uetliberg. Zum sechsten Mal. Immer, wenn Besuch aus Deutschland kommt, gehts hinauf zum Wahrzeichen der Stadt, in der sich der neue FCZ-Trainer pudelwohl fühlt. Auf die Frage, ob die Stadt ihrem neuen Fussball-König schon zu Füssen liegt, mag Breitenreiter nicht eingehen. «Immer schön demütig bleiben», hat ihn seine wechselvolle Karriere gelernt.

Blick: André Breitenreiter, mit einem Sieg gegen Sion sind Sie neuer Tabellenführer. Haben Sie überhaupt eine Meisterprämie im Vertrag?André Breitenreiter: Über den Meistertitel redet bei uns niemand. Wir sind glücklich und dankbar, dass es so toll läuft. Aber wir vergessen nicht, wo wir herkommen. Wir sind ambitioniert, wir greifen an, aber wir schauen immer in den Rückspiegel und halten den Ball flach. Im letzten Jahr ist der FCZ knapp dem Abstieg entronnen.

Und wenn die Sensation gelingt und der FCZ Meister wird, dann haben Sie eine entsprechende Prämie im Vertrag?Ja, die habe ich.

Wie hoch ist die?Ganz ehrlich gesagt, weiss ich das nicht einmal. Geld ist für mich nicht die entscheidende Antriebsfeder. Bei einem Titelgewinn geht es um die Emotionen, um das Erlebnis, um die Begeisterung. Das ist nicht in Franken aufzuwiegen.

Persönlich

André Breitenreiter wurde 1973 in Langenhagen (Niedersachsen) geboren. Als Spieler lief er unter anderem für Hannover, den HSV, Wolfsburg, Holstein Kiel und Havelse auf. Mit Hannover wurde er 1992 Pokalsieger. Seine Trainerlaufbahn begann er beim TSV Havelse in der Regional­liga Nord, dann wechselte er zum SC Paderborn, stieg mit ihm in die Bundesliga auf. Später coachte er auf höchster Ebene auch Schalke 04 sowie Hannover (bis Januar 2019). Der Deutsche ist verheiratet mit Claudia, er hat eine Tochter (Clara) und einen Sohn (Emil).

André Breitenreiter wurde 1973 in Langenhagen (Niedersachsen) geboren. Als Spieler lief er unter anderem für Hannover, den HSV, Wolfsburg, Holstein Kiel und Havelse auf. Mit Hannover wurde er 1992 Pokalsieger. Seine Trainerlaufbahn begann er beim TSV Havelse in der Regional­liga Nord, dann wechselte er zum SC Paderborn, stieg mit ihm in die Bundesliga auf. Später coachte er auf höchster Ebene auch Schalke 04 sowie Hannover (bis Januar 2019). Der Deutsche ist verheiratet mit Claudia, er hat eine Tochter (Clara) und einen Sohn (Emil).

Sie haben aus einem Abstiegs­kandidaten einen Titelkandidaten geformt. Wie?Wir arbeiten hart und seriös. Wir haben eine klare Vorstellung, wie wir spielen und auftreten wollen. Wir haben eine gute Dynamik in der Mannschaft und mittlerweile auch einiges an Selbstvertrauen. Aber eben: Unser Weg hat erst begonnen.

Was fehlt denn in Ihren Augen dem FCZ, um tatsächlich ein ernst­hafter Titelkandidat zu sein?Das kann ich so noch nicht sagen. Klar ist, dass YB und der FCB in vielen Bereichen ganz andere Möglichkeiten haben. Wir befinden uns in einem Aufbauprozess.

Sagt Ihnen der Name Klaus Stürmer etwas?Ja, das war doch ein deutscher Fussballer. Hat er nicht auch bei Hannover gespielt?

Nein. Beim HSV an der Seite von Uwe Seeler. Und dann ist er mit dem FC Zürich 1963 und 1966 Schweizer Meister und zur Legende geworden. Er ist mit 35 Jahren in Zürich an Krebs gestorben.Das habe ich alles nicht gewusst. Aber wenn Sie jetzt da­raus schliessen, dass jeder Deutsche mit dem FCZ Meister wird, dann ist das etwas weit hergeholt.

Könnte der FCZ in der Bundesliga mithalten?Wir haben gegen Stuttgart und Freiburg während der Nationalmannschaftspause zwei Testspiele gemacht. Und konnten beide Male mithalten. Der FCZ könnte in der Bundesliga antreten, müsste sich aber sicher nach hinten orientieren. Die Schweizer machen sich immer so klein. Kleiner, als sie sind.

Kommentar: Unser Fussball ist im Trainerhoch

Murat Yakin hat mit der Nati nicht nur sportlich Furore gemacht. Er hat mit seiner Eloquenz, seiner stoischen Ruhe, seiner offenen, direkten und authentischen Rhetorik die Spieler und die Öffentlichkeit in den Bann gezogen.

Das Eis ist geschmolzen, die Nati ist wieder eine Herzens­angelegenheit. Dass Yakin das taktische Gespür, den Mut und das Näschen für das richtige Personal hat, war klar. Aber es überrascht, dass er sein Projekt mit seiner weltmännischen, aber nie überheblichen Art auch so gut und sympathisch «verkaufen» kann.

Der Höhenflug von Yakin steht exemplarisch für die derzeit gute Trainerarbeit in der Schweiz. Noch vor wenigen Jahren waren wir Europameister bei den Trainerentlassungen. Jetzt ist die Trainerarbeit im Land so gut wie noch nie.

André Breitenreiter ist beim FCZ zum André Spitzenreiter geworden. Peter Zeidler macht in St. Gallen einen tollen Job. Giorgio Contini bei GC ebenso. Alain Geiger und Fabio Celestini erleben schwere Zeiten, aber ihre Qualitäten sind unbestritten. Zwei Toptrainer.

In Lugano scheint mit Mattia Croci-Torti ein grosses Talent am Werk. David Wagner hat YB in die Champions League geführt, muss aber jetzt in der Meisterschaft den Boosterknopf finden. In Lausanne arbeitet Ilija Borenovic unaufgeregt. Patrick Rahmen fehlt in Basel die Rückendeckung, um mittelfristig erfolgreich arbeiten zu können. Einzig in Sion ist alles, wie es immer war.

Das ändert nichts an der Feststellung: Der Schweizer Fussball ist im Trainerhoch. Da sind Namen wie Urs Fischer und Gerardo Seoane noch nicht mal erwähnt.

Ein Kommentar von Felix Bingesser, Blick-Reporter.

Foto: Thomas Meier. Zürich, 09.06.21. Portraits der Blick Redaktion Zürich.
Blick, Blick TV, Portraits, Mitarbeiterportraits, Blickgruppe.



 Felix Bingesser

Blick-Reporter Felix Bingesser.

Thomas Meier

Murat Yakin hat mit der Nati nicht nur sportlich Furore gemacht. Er hat mit seiner Eloquenz, seiner stoischen Ruhe, seiner offenen, direkten und authentischen Rhetorik die Spieler und die Öffentlichkeit in den Bann gezogen.

Das Eis ist geschmolzen, die Nati ist wieder eine Herzens­angelegenheit. Dass Yakin das taktische Gespür, den Mut und das Näschen für das richtige Personal hat, war klar. Aber es überrascht, dass er sein Projekt mit seiner weltmännischen, aber nie überheblichen Art auch so gut und sympathisch «verkaufen» kann.

Der Höhenflug von Yakin steht exemplarisch für die derzeit gute Trainerarbeit in der Schweiz. Noch vor wenigen Jahren waren wir Europameister bei den Trainerentlassungen. Jetzt ist die Trainerarbeit im Land so gut wie noch nie.

André Breitenreiter ist beim FCZ zum André Spitzenreiter geworden. Peter Zeidler macht in St. Gallen einen tollen Job. Giorgio Contini bei GC ebenso. Alain Geiger und Fabio Celestini erleben schwere Zeiten, aber ihre Qualitäten sind unbestritten. Zwei Toptrainer.

In Lugano scheint mit Mattia Croci-Torti ein grosses Talent am Werk. David Wagner hat YB in die Champions League geführt, muss aber jetzt in der Meisterschaft den Boosterknopf finden. In Lausanne arbeitet Ilija Borenovic unaufgeregt. Patrick Rahmen fehlt in Basel die Rückendeckung, um mittelfristig erfolgreich arbeiten zu können. Einzig in Sion ist alles, wie es immer war.

Das ändert nichts an der Feststellung: Der Schweizer Fussball ist im Trainerhoch. Da sind Namen wie Urs Fischer und Gerardo Seoane noch nicht mal erwähnt.

Ein Kommentar von Felix Bingesser, Blick-Reporter.

Inwiefern?Die Schweizer Nationalmannschaft qualifiziert sich auf direktem Weg für die WM. Gegen Italien, eine Weltmacht des Fussballs. Im Schweizer Nationalteam sind auch Spieler aus der Super League mit dabei. Die Liga ist spektakulär und attraktiv. Mit 3,5 Toren pro Spiel hat sie die beste Quote in Europa. Da muss man sich vor niemandem verstecken.

Sie waren zweieinhalb Jahre ohne Job. Gab es da existenzielle Ängste oder Selbstzweifel?Die ersten eineinhalb Jahre waren eine bewusste Auszeit. Meine Mutter ist gestorben und mein Vater ist an Demenz erkrankt. Da ging es darum, mich zusammen mit meinen zwei Brüdern um die Familie zu kümmern. Danach gab es schon Phasen, wo man etwas ins Grübeln kommt. Ich hatte immer Angebote, aber ich wollte nicht in ein Land, in dem ich die Sprache nicht beherrsche. Das Warten hat sich gelohnt. Beim FCZ passt alles.

Aber Sie sehen Ihren Vater kaum?Der Lebensmittelpunkt meiner Frau und unserer beiden Kinder bleibt in Hannover. Es gibt Direktflüge. Mein Vater geniesst den Moment, wenn ich bei ihm bin. Das spüre ich. Aber er weiss aufgrund seiner Krankheit nicht, wann ich das letzte Mal bei ihm gewesen bin.

Dann kann ja dieses Vergessen für Sie auch beruhigend wirken?Das tönt jetzt vielleicht etwas komisch, aber es entlastet schon. Weil es halt Phasen gibt, in denen ich wochenlang nicht wegkann. Mein Vater weiss bis heute nicht, dass ich FCZ-Trainer bin. Aber ich weiss, dass er in besten Händen ist. Ich bekomme Videos und Bilder und bin immer bestens informiert.

Ihr 18-jähriger Sohn hat schon die ersten Trainerdiplome. Tritt er mal in Ihre Fussstapfen?Das wäre schön. Aber Druck gibt es da keinen. Ich kann mir aber schon vorstellen, dass er zu Lernzwecken einmal in meinem Trainerteam ist.

Sie haben einen Hund. Das FCZ-Präsidentenpaar hat zwei Hunde. Reden Sie mit den Canepas eigentlich mehr über Hunde oder mehr über Fussball?Tatsächlich sind bei unseren Gesprächen die Hunde meist das erste Thema. Die spielen auch oft miteinander. Meiner ist etwas schneller als die beiden Hunde der Canepas (lacht) … Aber der Fussball bleibt das dominante Thema. Ich schätze diese familiäre Atmosphäre im Klub sehr.

Mit Heliane Canepa haben Sie auch einen weiblichen Boss.Stimmt, das hatte ich noch nie. Aber ich hatte bei allen Vereinen immer starke Persönlichkeiten an der Seite.

Ancillo Canepa ist sehr nahe bei der Mannschaft und setzt sich auch mal auf die Bank. Ein Problem für Sie?Überhaupt nicht. Ich sehe das völlig entspannt und weiss, dass meine Autorität darunter nicht leidet. Ich finde es inspirierend, mit welcher Leidenschaft er mit dabei ist.

Die Corona-Pandemie entwickelt sich wieder beängstigend. Haben Sie Angst, dass es wieder Geisterspiele gibt?Ich habe noch keine Geisterspiele erlebt. Angst ist das falsche Wort. Aber ohne unsere tollen Fans würde natürlich die ganze Emotionalität verloren gehen.

Sind Sie geimpft?Beim FCZ ist die gesamte Mannschaft und der ganze Staff geimpft.

Was schätzen Sie in Zürich neben dem Uetliberg am meisten?Vieles. Die tolle Lebensqualität, die Gastronomie. Ich bin viel im Niederdorf unterwegs. Und ich gehe auch zu den Spielen des ZSC. Ich bin Hockeyfan, auch in meiner Heimat Hannover ist das Hockey populär. Und ich schätze auch, dass in der Schweiz der Arbeit der Trainer grosse Wertschätzung entgegengebracht wird. Das Klima ist nicht so aufgeheizt wie in der Bundesliga.

Wenn Sie weiterhin so erfolgreich arbeiten, wird man auch in der Bundesliga wieder auf Sie aufmerksam. Was haben Sie noch für Ziele?Ich denke da nicht zu weit voraus. Natürlich bin ich ehrgeizig. Irgendwann möchte ich als Trainer an der Seitenlinie die Champions-League-Hymne hören. Am liebsten mit dem FCZ.

Credit Suisse Super League

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