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Weshalb sich die Wege von Ruag und ihrem Chef trennen | NZZ

Urs Breitmeier hat die Aufspaltung von Ruag begleitet. Doch jetzt trennt man sich «in gegenseitigem Einvernehmen». Für die Privatisierung sucht man jemanden mit internationaler Erfahrung.

Urs Breitmeier hat die Aufspaltung von Ruag begleitet. Doch jetzt trennt man sich «in gegenseitigem Einvernehmen». Für die Privatisierung sucht man jemanden mit internationaler Erfahrung. 

Urs Breitmeier und die RUAG gehen in Zukunft getrennte Wege.
Urs Breitmeier und die RUAG gehen in Zukunft getrennte Wege.

Nathalie Taiana / NZZ

Auf den ersten Januar war es so weit: Der Schweizer Rüstungs- und Industriekonzern Ruag, der noch ganz im Besitz des Bundes ist, hat sich organisatorisch aufgespalten. Künftig wird im Schweizer Teil der Unterhalt der Kommunikationssysteme, Flugzeuge und Helikopter gebündelt. Er bleibt in Staatsbesitz. Das zivile Geschäft mit den beiden Divisionen Raumfahrt und Flugzeug-Strukturbau wird dagegen den Kern eines neuen Aerospace-Technologiekonzerns mit dem vorläufigen Namen Ruag International bilden. Für die Entflechtung verantwortlich war Firmenchef Urs Breitmeier, der seit April 2013 die Firma geführt hat. Doch mit dieser Arbeit endet nun überraschend auch Breitmeiers Engagement als Konzernchef. 

Der CEO mit Jahrgang 1963 ist bereits seit 18 Jahren für Ruag in leitenden Positionen tätig. Verwaltungsratspräsident Remo Lütolf attestiert Breitmeier bei der Entflechtung eine ausgezeichnete Leistung. Der Zeitplan für die rechtliche Trennung der Bereiche sei anspruchsvoll gewesen, sagt er auf Anfrage. Gleichzeitig sei man aber gemeinsam zum Entscheid gelangt, dass jetzt ein guter Zeitpunkt für die Übergabe des Staffelstabes an eine neue Kraft sei. Allerdings muss diese erst noch gefunden werden. Lütolf ist wichtig, dass ein neuer Chef internationale Erfahrung im Flugzeug- bzw. Raumfahrtbereich aufweist. Die Firma wird als kotiertes Unternehmen eher zu den kleineren Spielern in der Branche gehören. Der neue Chef soll die Firma laut Lütolf acht bis zwölf Jahre begleiten, um die Privatisierung durchzuziehen. Und er sollte die Eigenheiten der Schweiz kennen.

Lütolf stellte einen Börsengang von Ruag International in drei bis vier Jahren in Aussicht. Ruag will verschiedene Teile vor einem Börsengang verkaufen. Die in der Cybersicherheit tätige Clearswift wurde bereits veräussert. In diesem Bereich hat man trotz grossen Ambitionen nie die kritische Grösse erreicht. Auch die deutsche Tochter, die das Flugzeug Dornier 228 baute, soll abgestossen werden. Hier war man nie auf einen grünen Zweig gekommen. Lütolf stellte in Abrede, dass es bei den Devestitionen zu langsam gegangen sei. Zum Kern der neuen Ruag gehört auch die Produktion von Teilen des Rumpfs für den Airbus 320. Hier hatte es beim Aufbau eines Werkes in Ungarn Anfangsschwierigkeiten gegeben, doch laufe dieses nun normal.

Für Aufsehen hatte im Juni ein Bericht der Finanzkontrolle zur Verrechnungspraxis gegenüber dem Verteidigungsdepartement (VBS) gesorgt. Die Fakturierung wurde letztlich als vertragskonform bewertet. Doch hatte Ruag laut Finanzkontrolle gewisse Aufwände verrechnet, die für das Erbringen der Leistungen nicht notwendig waren, so auch gewisse Kosten in Zusammenhang mit besagter Dornier 228. Die Kostenkontrolle beim VBS hatte offenbar zu wünschen übrig gelassen.

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