Nach Rücktritt von Lambrecht Boris Pistorius wird neuer deutscher ...

- Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) übernimmt überraschend das Verteidigungsministerium in Deutschland.
- Bundeskanzler Olaf Scholz werde Pistorius als neuen Verteidigungsminister ins Bundeskabinett einberufen. Er wird am Donnerstag vereidigt.
- Der 62-Jährige übernimmt damit die Nachfolge von Christine Lambrecht, die am Montag ihren Rücktritt angeboten hat.
- Mit nun neun Männern und sieben Frauen hebelt Scholz bei seiner Entscheidung seinen eigenen Anspruch aus, seine Ministerriege ausgeglichen zu besetzen.
Bei einem Termin am Morgen in Mainz äusserte sich der Kanzler noch nicht dazu. In den vergangenen Tagen waren mehrere andere Namen als mögliche Nachfolger genannt worden, darunter Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt, SPD-Chef Lars Klingbeil und die Wehrbeauftragte Eva Högl.
Die seit Monaten in der Kritik stehende Verteidigungsministerin Christine Lambrecht hatte am Montagmorgen schriftlich erklärt, dass sie nach gut einem Jahr im Amt Bundeskanzler Olaf Scholz um Entlassung gebeten habe.
Pistorius ist nun eine Überraschung. Der niedersächsische Innenminister gilt als erfahrener Polit-Manager. Im Kreis der Innenminister von Bund und Ländern hat sich Pistorius in den vergangenen Jahren einen Ruf als kenntnisreicher Fachpolitiker erworben.
Auch wenn er stets in Niedersachsen blieb, war er auch an der innenpolitischen Positionierung der Bundes-SPD in Wahlkämpfen und an Koalitionsverhandlungen beteiligt.
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Neuer Verteidigungsminister
Boris Pistorius erbt den härtesten Job Deutschlands
17.01.2023 Mit Video
Bei den Innenministerkonferenzen machte es dem als pragmatisch geltenden Pistorius immer sichtlich Freude, sich mit Konservativen wie dem früheren Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) auf offener Bühne zu streiten, schlagfertig, mit spitzen Bemerkungen, aber nie respektlos.
Zur Idealbesetzung für den Posten des Verteidigungsministers macht Pistorius vielleicht auch sein Alter. Mit 62 Jahren kann ein Politiker schliesslich ganz entspannt das Chefbüro im Bendlerblock beziehen, das gemeinhin als Schleudersitz und damit auch als potenzieller Karrierekiller gilt.
Pistorius' AmbitionenPistorius wurden immer wieder Ambitionen für ein politisches Amt auf Bundesebene nachgesagt. Es gab beispielsweise Gerüchte, er könnte Bundesinnenminister werden, sofern die jetzige Amtsinhaberin Nancy Faeser bei der Landtagswahl in Hessen als Spitzenkandidatin für die SPD antritt.

Pistorius absolvierte eine Lehre zum Gross- und Aussenhandelskaufmann. Von 1980 bis 1981 leistete er seinen Wehrdienst, anschliessend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Er ist bereits seit 2013 Innenminister in Niedersachsen, vor wenigen Monaten begann seine dritte Amtszeit. Zuvor war er von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister in Osnabrück. Pistorius ist verwitwet und hat zwei Töchter.
Mit der Entscheidung für Pistorius hebelt Scholz seinen eigenen Anspruch aus, seine Ministerriege paritätisch zu besetzen. Bisher führten acht Männer und acht Frauen die Ministerien, nun werden es neun Männer und sieben Frauen sein.
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