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Kurssturz an den Börsen: Bitcoin stürzt ab - platzt jetzt die Krypto-Blase?

Die New Yorker Justiz greift gegen die Kryptoplattform Bitfinex durch. Bitcoin beschleunigt seinen Kursrutsch und stürzt erneut zweistellig. Auch Dax, Dow und Nasdaq geben nach.

Der Kursrutsch bei Bitcoin und anderen Kryptowährungen setzt sich fort. Bitcoin-Investoren bringen Geld in Sicherheit, nachdem die weltweit bekannteste Kryptowährung ihre Rekordjagd am Montag jäh beendet hatte und um rund 20 Prozent abgestürzt war. Am Dienstag setzten sich die Gewinnmitnahmen fort, Bitcoin baute bis Dienstagnachmittag seine Verluste auf 15 Prozent aus und fiel zuletzt auf 45.300 US-Dollar - das sind rund 13.000 US-Dollar weniger als vor drei Tagen. Am Freitag waren laut Datenanbieter Coinmarketcap alle im Umlauf befindlichen Bitcoin zusammen erstmals mehr als eine Billion Dollar wert gewesen. Nach einem Rekordhoch von 58.445 Dollar am Wochenende fiel Bitcoin dann deutlich zurück.

Ein möglicher Auslöser: Der US-Staat New York verbot am Dienstag den Handel der Kryptoplattform Bitfinex und des von diesem betriebenen Stablecoin Tether, dem in der Vergangenheit eine zentrale Rolle beim Aufblasen der Bitcoin-Blase zugeschrieben wurde. Die Behauptung von Bitfinex, Tether sei voll von sicheren US-Dollars gedeckt, sei "eine Lüge", erklärte die Justizministerin und Generalstaatsanwältin Letitia James (62). Die Firma habe Staat und Anleger getäuscht und Verluste in Höhe von 850 Millionen Dollar verschleiert.

Die nach Marktanteil zweitgrößte Kryptowährung Ether verlor ebenso deutlich wie andere Digitalwerte, darunter XRP, Litecoin und Bitcoin Cash. Teils betrugen die Verluste 20 Prozent und mehr. Der Marktwert aller rund 8500 Kryptowährungen fiel auf 1,35 Billionen US-Dollar, nachdem er am Wochenende ein Rekordhoch von etwa 1,76 Billionen Dollar erreicht hatte. Alle im Umlauf befindlichen Bitcoins waren am Dienstag rund 850 Milliarden Dollar wert.

Dax reduziert Verluste

Eine ausgeprägte Grundnervosität der Anleger hat am Dienstag auch am deutschen Aktienmarkt zu größeren Schwankungen geführt. Zunächst stabil gestartet, hatte der Dax zeitweise 2 Prozent verloren und mit 13.664 Punkten den tiefsten Stand seit drei Wochen erreicht. Nach einem weiteren Hin und Her holte er letztlich viel davon wieder auf. Aus dem Handel ging er 0,61 Prozent tiefer bei 13.864,81 Punkten.

Anleger nahmen am Dienstag bei gut gelaufenen Aktien erneut im größeren Stil Gewinne mit. Marktbeobachter sagten, hohe Bewertungen seien für diese mittlerweile eine schwere Bürde geworden. Da die bisherigen Favoriten der Corona-Krise in der zweiten Börsenreihe noch stärker vertreten sind als im Dax, fiel der MDax noch deutlicher um 1,19 Prozent auf 31.643,84 Punkte.

Powell sieht keine Inflationsgefahr

Zuletzt wurde schon die Sorge vor einer steigenden Inflation und höheren Zinsen vermehrt als Gefahr für die Finanzmärkte angesehen. Hier wirkten Aussagen des US-Notenbankchefs Jerome Powell am Nachmittag aber etwas beruhigend. Im Rahmen einer Anhörung vor einem Senatsausschuss sah dieser keine Inflationsgefahren. Demnach sei es noch ein weiter Weg, bis die US-Wirtschaft die Folgen der Krise überwunden habe und die Ziele der Notenbank erreichen würde.

"Der oberste US-Notenbanker bleibt seiner vorsichtigen Linie mit Blick auf die Einschätzung der konjunkturellen Perspektiven treu", kommentierte Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW. Am Markt wurde das Fazit gezogen, dass die voranschreitende Konjunkturerholung also noch für längere Zeit nicht durch geldpolitische Kursänderungen bedroht werden dürfte. Dies kühlte die erhitzten Gemüter der Anleger wieder etwas ab.

Infineon mit Verlusten

Der Ausverkauf unter den gut gelaufenen Werten stand im Einklang mit einem Kursrutsch bei den Technologiewerten an der New Yorker Nasdaq-Börse, der am Dienstag nicht zu Ende ging. Die Verluste wurden bei den hiesigen Vertretern zwar im Verlauf etwas kleiner, im Dax fielen die Aktien von Infineon aber immer noch um 3,1 Prozent.

Viele weitere Aktien, die in den vergangenen Monaten von Anlegern als Gewinner der Pandemie geschätzt wurden, standen ebenfalls unter Druck. Im Dax war dies noch die 3,4 Prozent schwächere Aktie der Deutschen Post. Im MDax fielen die Papiere von Shop Apotheke und Hellofresh um jeweils 4 Prozent. Home24 sackten im SDax sogar um 8,4 Prozent ab.

Wie schon am Vortag fiel dagegen der Reisesektor positiv auf. Laut Marktbeobachter Neil Wilson von Markets.com machen hier die Aussicht auf Lockerungen in Großbritannien und voranschreitende Impfungen Hoffnung für die Sommersaison. Die Papiere von Fraport kletterten an der MDax-Spitze um 7,8 Prozent. Bei Lufthansa reichte es für einen Anstieg um 2,1 Prozent. Im SDax rückten die Aktien des Autovermieters Sixt um 3,8 Prozent vor.

Aber auch andere Branchen, die von der Krise gezeichnet sind, zeigten sich am Dienstag freundlich. Für den Außenwerbespezialisten Ströer und den Modekonzern Hugo Boss ging es um 5,8 Prozent beziehungsweise 3,4 Prozent nach oben. Die Papiere des Einkaufszentren-Investors Deutsche Euroshop zogen um 3,7 Prozent an.

Aus der zweiten Reihe rückten noch die Anteilscheine von Rational negativ in den Fokus, indem sie um fast 10 Prozent einbrachen. Überraschend vorsichtige Aussagen des Großküchenausrüsters zur erwarteten Ertragskraft im laufenden Jahr belasteten.

Europaweit war das Bild etwas solider als beim Dax. Der EuroStoxx gab um 0,3 Prozent nach. In Paris und London brachten die Leitindizes Cac 40 und FTSE 100 sogar kleine Gewinne über die Ziellinie.

Nasdaq erneut unter Druck, Tesla besonders betroffen

In den USA setzte sich die Kursschwäche an der technologielastigen Börse Nasdaq fort. Der Nasdaq 100 büßte im frühen Handel weitere 2,3 Prozent auf 12.923 Punkte ein und rutschte unter die 13.000er Marke. Er fiel zudem unter die Durchschnittslinie der vergangenen 50 Börsentag, die als Indikator für den mittelfristigen Trend gilt. Die Tech-Titel waren in den vergangenen Monaten überdurchschnittlich stark gestiegen, nun nehmen Investoren hier Kursgewinne mit. Der Leitindex Dow Jones Industrial gab um 0,69 Prozent auf 31.305 Punkte nach. Der marktbreite S&P 500 sank um 1,03 Prozent auf 3837 Punkte.

Im Blickpunkt von Analysten und Anlegern steht am Dienstag die amerikanische Geldpolitik. Notenbankchef Jerome Powell sagte bei der Präsentation des halbjährlichen geldpolitischen Berichtes, bis zum Erreichen der gesetzten Ziele sei es noch ein weiter Weg.

Schwergewichte aus der Technologiewelt wie Apple, die Google-Holding Alphabet und der Chiphersteller Advanced Micro Devices verloren zwischen 1,7 und 3,4 Prozent. Noch schwerer erwischte es die Aktien von Tesla, die um 8 Prozent abstürzten und seit Jahresbeginn nun wieder im Minus liegen. Die Papiere des Herstellers von Elektrofahrzeugen hatten sich von Mitte November bis Ende Januar mehr als verdoppelt.

Euro notiert höher

Der Kurs des Euro ist am Dienstag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2143 (Montag: 1,2133) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8235 (0,8242) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,86308 (0,86530) britische Pfund, 127,98 (128,00) japanische Yen und 1,0946 (1,0888) Schweizer Franken fest.

Ölpreise geben wieder nach

Der Höhenflug des Ölpreises ist vorerst beendet. Die Sorte Brent aus der Nordsee und die US-Sorte WTI verbilligen sich um jeweils etwa ein Prozent auf 64,71 beziehungsweise 61,01 Dollar je Barrel. Zuvor hatten sie mit 66,79 beziehungsweise 63 Dollar 14-Monats-Hochs markiert.

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