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Buschfeuer - Mit aller Macht

Die verheerenden Brände sind ein Menetekel - nicht nur für Australien. Denn verantwortlich ist nicht nur der Brandstifter, der den trockenen Busch anzündet, sondern auch der Biedermann, der den Brennstoff reicht.

Dieser Freitag könnte eigentlich ein schöner Sommertag in Australiens Metropole Sydney sein. Leicht bewölkt, die Temperaturen erreichen nachmittags 30 Grad. Die Sonne wird jedoch nur durch einen dunstigen Rauchschleier zu sehen sein, noch immer brennen die Eukalyptuswälder in den nahen Blue Mountains. Dabei ist es längst nicht mehr so heiß wie vor einer Woche, als die Thermometer 43 Grad anzeigten.

Solche Temperaturen sind für australische Verhältnisse nicht ganz ungewöhnlich, an einzelnen Tagen. Doch 2019 wurden sie zur Regel: Noch nie hat das staatliche Büro für Meteorologie in seine Aufzeichnungen ein heißeres Jahr eingetragen. Das allein wäre noch kein Grund für Alarm. Auf dem Kontinent war es immer heiß und in weiten Gebieten trocken, Buschbrände loderten in jedem Sommer, wenn auch noch nie so lange und so großflächig wie jetzt. Aber 2019 war kein Ausnahmejahr, es fügt sich in einen Trend. Alle sieben vergangenen Jahre haben es in Australiens Temperatur-Top-Ten geschafft. Das ist mehr als nur Wetter, der menschengemachte Klimawandel ist längst da, auch wenn der liberalkonservative Premierminister Scott Morrison es nicht wahrhaben mag.

Tatsächlich sind die verheerenden Buschbrände ein Menetekel - nicht nur für Australien. Global betrachtet war 2019 das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Messungen - und das Weltrekordjahr 2016 ist noch nicht lange her. Doch nirgendwo ist der Zusammenhang zwischen den steigenden Temperaturen und den katastrophalen Folgen der Klimaerhitzung so sichtbar wie auf den spektakulären Fernsehbildern aus den Brandgebieten Australiens. Und nirgendwo kommen sich Ursache und Wirkung des Klimawandels so anschaulich nahe.

Australien ist der weltgrößte Exporteur von Kohle. Seine Bergbau-Industrie ist für die Wirtschaft des Landes das, was die Autobranche für Deutschland ist - mächtig und ähnlich unwillig, sich der Verantwortung für den eigenen Beitrag zur Klimakrise zu stellen. Sie hat es etwa geschafft, eine dauerhafte Bepreisung von Kohlendioxid zu verhindern, mit freundlicher Hilfe liberalkonservativer Regierungschefs wie Morrison. Der Premier ist zwar kein offener Leugner des Klimawandels, aber doch jemand, der ihn verharmlost. Australien produziere nur 1,3 Prozent des weltweiten CO₂-Ausstoßes, wiegelt er ab - mit einem Argument, das deutschen Politikern ebenfalls nicht fremd ist: Ja, auch Deutschland ist mit "nur" zwei Prozent am CO₂-Ausstoß dieser Welt beteiligt. Gemessen an ihrem Anteil an der Weltbevölkerung blasen Deutsche damit aber eben zweimal, Australier sogar viermal so viel CO₂ in die Atmosphäre, wie es im Schnitt alle anderen tun. Natürlich müssten sie ihre Emissionen darum besonders stark einschränken.

In Australien passiert das Gegenteil davon. Seit 2005 hat das Land seine Kohleförderung verdoppelt und will sie in den nächsten Jahren nicht senken, sondern erhöhen. Verfeuert wird die Kohle dann zwar in den energiehungrigen Staaten China und Indien. Die Folgen kommen aber mit aller Macht zurück, wie die Australier nun zu spüren bekommen. Sie lernen jetzt auf eine für viele von ihnen tragische Weise: Verantwortlich ist nicht nur der Brandstifter, der den trockenen Busch anzündet, sondern auch der Biedermann, der den Brennstoff reicht. In Australien stehen auf Feuerlegen bis zu 21 Jahre Haft.

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