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Warum steigen die Corona-Fallzahlen gerade so schnell?

Die Corona-Infektionszahlen in der Schweiz steigen massiv an, 1’077 Neuansteckungen meldete das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Mittwoch. Die Zahl ist so hoch wie schon lange nicht mehr, letztmals wurden am 1. April mehr als 1’000 Neuinfektionen ge
Wegen steigender Corona-Fallzahlen verschärfen immer mehr Kantone die Massnahmen.

Bild: Keystone

Seit April gab es nicht mehr so viele Neuansteckungen innert 24 Stunden. Doch was sind die Gründe dafür? Muss die Schweiz gar einen neuen Lockdown fürchten?

Die Corona-Infektionszahlen in der Schweiz steigen massiv an, 1’077 Neuansteckungen meldete das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Mittwoch. Die Zahl ist so hoch wie schon lange nicht mehr, letztmals wurden am 1. April mehr als 1’000 Neuinfektionen gemeldet, mitten im Lockdown. 

Doch was bedeutet das für die Schweiz? Wird womöglich noch der Spitzenwert von 1’446 Neuansteckungen, wie er am 23. März gemeldet wurde, überschritten? Müssen die Schweizer sich auf verschärfte Massnahmen, eventuell sogar einen Lockdown einstellen? Und warum steigen jetzt die Zahlen wieder so stark an?

Warum gibt es wieder mehr Corona-Fälle?

Dass die Zahl der Neuansteckungen im Moment so hoch ist, kann auf mehrere Ursachen zurückgeführt werden. Zunächst einmal wirkte die Stabilisierung und der Rückgang der Ansteckungen im September trügerisch, die Menschen wurden unvorsichtiger.

Auch sei der Anstieg der Fallzahlen auf die sinkenden Temperaturen zurückzuführen, wie die Wissenschaftlerinnen Isabella Eckerle vom Unispital Genf und Emma Hodcraft von der Uni Basel gegenüber dem «Tages-Anzeiger» erklären. Die Menschen ziehen sich mehr in Innenräume zurück und lüften weniger. Das begünstigt die Verbreitung des Coronavirus. Auch, dass Schulen und Universitäten wieder zurück im Vollbetrieb seien, spiele eine Rolle, ebenso das Drängen der Wirtschaft auf Lockerungen.

Zusätzlich gehe im privaten Umfeld derzeit die Vorsicht verloren, gab Gesundheitsminister Alain Berset laut «Tages-Anzeiger» am Mittwoch bei einem Besuch in Zug zu bedenken. «Es gab Privatanlässe, die plötzlich ziemlich viele Ansteckungen verursacht haben.»

Ein weiterer Faktor seien natürlich auch mehr Tests, die durchgeführt werden. Aktuell sei die Testsituation eine andere als im Frühjahr, erklärt die Epidemiologin Olivia Keiser gegenüber «20 Minuten». Damals hatten sich junge Menschen in Selbstisolation begeben müssen, ohne einen Test zu machen und tauchten so in der Statistik nicht auf. Heute sei die Testkapazität wesentlich grösser, so Keiser.

Wichtiger Faktor: Positivitätsrate

Allerdings ist hier besonders auch die Positivitätsrate zu beachten: Sie zeigt die Zahl der positiven Tests im Verhältnis zu den gesamten durchgeführten Tests an. Aktuell liegt sie bei 9,7 Prozent am Dienstag, am Mittwoch bei 7,1 Prozent. Zum Vergleich: Im Juni sank die Positivitätsrate auf 0,5 Prozent, Anfang September lag sie etwa bei drei Prozent. Für den Verlauf der Pandemie ist das ein schlechtes Signal: Hat ein Land eine Rate von über fünf Prozent, teste es entweder zu wenig oder habe die Kontrolle über die Situation verloren, erklärt die WHO.

Aber was bedeutet das nun für die Schweizerinnen und Schweizer? Die steigenden Zahlen sind besonders auf Corona-Cluster in den einzelnen Kantonen zurückzuführen. Entsprechend ergriffen verschiedene Kantone bereits zusätzliche Massnahmen. So gilt in Zug nun eine Maskenpflicht beim Einkaufen, in Bern muss ab kommendem Montag in allen öffentlich zugänglichen Innenräumen eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden, darunter fallen auch Bahnhöfe, Museen, Theater und Poststellen. «Wir sind an einem Punkt, an dem wir sagen müssen, es muss sich etwas ändern im Verhalten der Bevölkerung», erklärte der Zuger Gesundheitsdirektor Martin Pfister am Mittwoch anlässlich des Besuchs von Alain Berset.

Ausweitung der Maskenpflicht

Ähnlich schätzt auch Matthias Egger, ehemaliger Leiter der Corona-Taskforce, die Lage ein. «Eine Maskenpflicht in öffentlichen Innenräumen wäre meines Erachtens spätestens jetzt in allen Kantonen sinnvoll», erklärte er gegenüber «blick.ch». Man müsse dringend das sogenannte Holland-Szenario vermeiden. Denn die Niederlande sehen sich nach einer längeren stabilen Phase plötzlich mit einem starken Anstieg der Ansteckungen konfrontiert. Egger spricht sich zusätzlich für das Tragen einer Maske am Arbeitsplatz oder im Lift aus, sobald eine ausreichende Distanz nicht eingehalten werden kann.

Nun in Panik zu verfallen, sei aber nicht der richtige Weg. Das erklärt auch Marcel Tanner, Epidemiologe und Experte für Public Health in der Science Task Force, gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Man sehe den jüngsten Anstieg natürlich mit Besorgnis, doch sei es zentral, «dass wir immer noch feststellen können, wo sich die Ansteckungen ereignet haben, und angemessen, gezielt und rasch darauf reagieren können.»

Kommt ein zweiter Lockdown?

Dass es zu einem zweiten Lockdown in der Schweiz kommen wird, ist allerdings kein wahrscheinliches Szenario. In den vergangenen Wochen und Monaten wiesen verschiedene Experten darauf hin, dass man einen Lockdown um jeden Preis verhindern müsse. «Die Schweiz kann sich keinen zweiten Lockdown leisten. Dafür haben wir das Geld nicht», erklärte Finanzminister Ueli Maurer laut «Tages-Anzeiger» Mitte September. GLP-Nationalrat Jörg Mäder bezeichnete einen zweiten Lockdown gar als «Horrorszenario».

Die niedrige Zahl der Spitaleinweisungen und die geringe Belegungsrate von Intensivbetten sei ausserdem ein Hinweis darauf, dass es nicht zu einem weiteren Lockdown kommen wird. Allerdings sollte man auch diese Zahlen mit Vorsicht geniessen. Die Zahl der Spitalaufenthalte könnte durchaus wieder in die Hölle schnellen, erklärt Emma Hodcroft gegenüber «20 Minuten». «Derzeit kursieren bei uns dieselben Viren wie etwa in Spanien oder Grossbritannien, wo die Zahl der Spitalaufenthalte zunimmt. Es gibt also keinen Grund, anzunehmen, dass es hier anders sein wird, wenn wir es nicht schaffen, die Fallzahlen runterzubringen.»

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