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Nach Unfall in Luttach (Südtirol): Fahrer Stefan L. in psychologischer Behandlung

Der Unfallfahrer von Luttach hat offenbar Selbstmordgedanken nach dem Unglück. Er raste betrunken in eine Reisegruppe aus Deutschland. Sechs junge Leute...

6. Januar 2020 - 9:57 Uhr

Er wollte sich offenbar umbringen, als er hörte, wie viele Menschen bei dem Unfall starben

Nach dem schweren Unfall in Südtirol, bei dem sechs junge deutsche Touristen starben, befindet sich der Unfallfahrer Stefan L. in psychologischer Betreuung. Der Mann stehe unter Schock und werde im Krankenhaus von Spezialisten betreut, wie ein Sprecher der Polizei in Bozen mitteilte. Der 27-Jährige ist offenbar selbstmordgefährdet. Als er hörte, wie viele Leute er totgefahren haben soll, soll er gesagt haben, dass er sich umbringen wolle, berichteten italienische Medien.

Reisegruppe wollte in Luttach die Straße überqueren
Unfall mit sechs Toten in Südtirol

An der Unfallstelle in Luttach haben die Menschen Blumen und Kerzen aufgestellt.

© dpa, Lino Mirgeler, lim gfh

Der Mann war nachts auf der Dorfstraße von Luttach mit einem PS-starken Sportwagen in die Reisegruppe aus Deutschland gerast. Die Skitouristen kamen von einem Diskobesuch zurück uns stiegen aus einem Bus aus. Der Fahrer aus Südtirol raste in die jungen Leute, als sie gerade die Straße überqueren wollten, um zu ihrer Unterkunft zu laufen. Nach Angaben der Polizei hatte der 27-Jährige 1,9 Promille im Blut.

Drei junge Männer und drei Junge Frauen aus Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Niedersachsen starben. Elf weitere Mitglieder der Gruppe wurden verletzt. Der Busfahrer, der die jungen Leute im Ort absetzte, erzählte, er habe noch versucht, den Autofahrer per Lichthupe zu warnen. "Da habe ich schon die Leute über die Straße fliegen sehen", sagte er.

Gegen den Südtiroler Unfallfahrer wird ermittelt

Alessia Gschnitzer war noch vor den Einsatzkräften vor Ort, weil sie zufällig mit dem Auto an der Unfallstelle vorbeikam. Der Ersthelferin bot sich ein Bild des Grauens, wie sie im RTL-Interview erzählte. 160 Einsatzkräfte kümmerten sich um die Unfallopfer. Von den vier Schwerverletzten mussten nach Angaben der Feuerwehr drei noch vor Ort intubiert werden. Sie wurden in Krankenhäuser in Bruneck, Bozen und Innsbruck gebracht.

Unfallfahrer von Luttach

Der Unfallfahrer von Luttach hatte fast zwei Promille Alkohol im Blut, als er in eine Gruppe junger Menschen raste.

© Facebook

Die Ermittler gehen derzeit von einem Unfall und nicht von einer absichtlichen Tat aus. Der Fahrer wurde festgenommen. Stefan L. wird unter anderem mehrfache Tötung im Straßenverkehr vorgeworfen. Bei einer Verurteilung würden ihm zwischen acht und zwölf Jahren Haft drohen. Es wird auch noch ermittelt, ob er möglicherweise zu schnell unterwegs war. In Luttach gibt es nach dpa-Informationen schon länger Klagen, über Raser auf der Hauptstraße.

In Untersuchungshaft sitzt der Mann aus Kiens (Südtirol) aber nicht, weil er offenbar wegen seiner Suizidgedanken noch psychologisch betreut werden muss. Er habe "Sachen gesagt", die in diese Richtung gehen könnten, sagte der Polizeisprecher. Weitere Details wollte er nicht bekannt geben.

„Ein fröhlicher Abend, der in der Katastrophe endet“
Auto fährt in Südtirol in Reisegruppe - Sechs Tote

Die Gruppe wollte gerade die Dorfstraße in Luttach überqueren, als der Unfall passierte.

© dpa, -, hpl fgj hpl

In der Touristenregion herrschte nach dem Unfall Entsetzen: "Das neue Jahr beginnt mit dieser schrecklichen Tragödie", sagte der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher auf einer Pressekonferenz in Luttach. "Wir sind alle geschockt." Auch der Veranstalter, über den die jungen Leute die Skireise gebucht hatten, veröffentlichte auf seiner Website ein erschüttertes Statement. "Wir sind in tiefer Trauer und bestürzt über dieses furchtbare Ereignis", schrieb das Reiseunternehmen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich erschüttert, über das Unglück. Über ihren Sprecher erklärte sie: "Ein fröhlicher Abend, der in der Katastrophe endet. Ich trauere mit allen, die dort heute Nacht Kinder, Geschwister, Freunde verloren haben. Den Verletzten wünsche ich Kraft und baldige Genesung."

Hier finden Sie Hilfe in schwierigen Situationen

Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über Ihre Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich. Hier finden Sie eine Übersicht über Hilfsangebote.

Wenn Sie schnell Hilfe brauchen, dann finden Sie unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 Menschen, die Ihnen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

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