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Ist Lana del Rey eine Karen?

Lana del Rey muss sich nach einem Instagram-Post Kritik gefallen lassen – dabei hatte sie sich doch genau das verbeten. Viele bezeichnen sie als „Karen“. Was soll das heißen? Und haben sie recht?

Lana del Rey muss sich nach einem Instagram-Post Kritik gefallen lassen – dabei hatte sie sich doch genau das verbeten. Viele bezeichnen sie als „Karen“. Was soll das heißen? Und haben sie recht?

Lana del Rey, die melancholische Sängerin mit der kontrastarmen Sechziger-Jahre-Ästhetik, veröffentlicht bald zwei Lyrikbände und im September ein neues Album. Das ist im Grunde schon alles, und wenn sie genau das ohne große Rechtfertigungsrede bei Instagram kundgetan hätte, wäre ihr die Debatte erspart geblieben, die sie nun am Hals hat. „Question for the culture“, so leitete sie ihre Frage ein, die erstens höchstens rhetorisch war und zweitens gleich mehrfach von ihr selbst beantwortet wurde: Da nun also Sängerinnen wie Ariana Grande, Nicki Minaj und Beyoncé Hits hatten mit Liedern über Nacktsein und Sex – dürfe sie dann jetzt bitte wieder darüber singen, dass sie sich durch die Liebe schön fühle, auch wenn die Partnerschaft nicht perfekt sei, ohne sich vorwerfen lassen zu müssen, sie glorifiziere missbräuchliche Beziehungen? Sie sei eben einfach nur eine glamouröse Person, die über toxische Beziehungen singe, in denen viele Frauen lebten. Es müsse im Feminismus doch auch einen Platz geben für Frauen, die aussähen und sich verhielten wie sie.

Der Text geht noch weiter, aber die Gemüter erhitzten sich hauptsächlich an diesen Stellen, was tragisch ist, denn an Lana del Reys Äußerungen ist nicht alles falsch und ungeschickt. Natürlich kann man Feministin sein, wenn man Weichzeichner, Pastelltöne, Haarspray mag und unglücklich in einer miesen Beziehung feststeckt, und es ist vielleicht gar nicht so schlecht, das mal festzuhalten. Aber einen kapitalen Denkfehler macht sie ganz zu Beginn, da sie sieben andere Sängerinnen aufzählt und es so hinstellt, als könnten die ihre sexuelle Selbstbestimmtheit ohne den leisesten Gegenwind feiern, während sie, Lana del Rey, für ihre Zartheit unzulässig kritisiert werde. Dass die genannten Sängerinnen allesamt schwarz sind, trug sicher dazu bei, dass Lana del Rey sich in vielen Kommentaren als „Karen“ bezeichnen lassen muss.

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Dieser Terminus bezeichnet klassischerweise eine weiße Frau, die beim kleinsten Anlass sofort den Geschäftsführer sprechen will und danach hässliche Bewertungen auf Internetportalen hinterlässt, oft über das Verhalten der schwarzen Servicekräfte. Die Karen-Attitüde ist also eine Mischung aus Anspruchshaltung, latentem Rassismus und der Überzeugung, alle wollten einem permanent an den Karren fahren und müssten dafür dringend zur Räson gerufen werden. Lana del Rey schrieb später zu ihrer Verteidigung, sie finde alle diese Sängerinnen großartig, aber wenn sie allen Ernstes annimmt, eine weiße Femme fragile werde schlechter behandelt als eine schwarze Femme fatale, zeugt das nicht von großer Einsicht in deren Lebensrealität. Das Erstaunlichste jedoch ist ihre Forderung, sich künstlerisch betätigen zu dürfen, ohne kritisiert zu werden. Im Grunde ist das natürlich nachvollziehbar. Und es lässt sich sogar einrichten: indem man seine Kunst niemandem zeigt. Das ist allerdings nicht ganz so lukrativ wie zwei Gedichtbände und ein Album.

Quelle: F.A.Z.

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