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Jolanda Neff muss drei Monate pausieren

Der Mountainbikerin stirbt nach einem Trainingssturz die Milz ab. Die Radquer-Weltmeisterschaften in Dübendorf verlieren ihren Star.

Der Mountainbikerin stirbt nach einem Trainingssturz die Milz ab. Die Radquer-Weltmeisterschaften in Dübendorf verlieren ihren Star.

Crasht vor zwei Wochen in einen Haufen Baumstämme: Jolanda Neff
Crasht vor zwei Wochen in einen Haufen Baumstämme: Jolanda Neff

Gian Ehrenzeller, Keystone

Jolanda Neffs Plan war es, den Winter diesmal ruhiger anzugehen. Vor einem Jahr noch hatte sie in Eiseskälte im Zwei-Tages-Rhythmus intensive Rennen in ihrer Nebendisziplin Radquer absolviert. Eine solche Ochsentour wollte sie sich heuer, mit Blick auf ihr olympisches Mountainbike-Rennen im Sommer, nicht mehr zumuten. Insbesondere wollte sie weniger herumreisen, lediglich an den Heim-Weltmeisterschaften im Quer starten. Nur: Unter einem ruhigen Winter hatte sie sich etwas anderes vorgestellt als das, was nun eingetreten ist.

Drei Monate kaum Bewegung

Am Sonntag, an ihrem 27. Geburtstag, gab Neff bekannt, wie es um ihre Gesundheit bestellt ist, nachdem sie kurz vor Weihnachten in der US-amerikanischen Heimat ihres Freundes während einer Ausfahrt mit dem Mountainbike schwer gestürzt war. Und was sie verkündete, hatte etwas Beunruhigendes: In der Mitteilung ihres Managements führt Neff aus, dass ihre Milz nicht mehr funktionsfähig sei. Seit einer Embolisation, bei der die Ärzte die Arterie hätten verschliessen müssen, fliesse kein Blut mehr durch dieses Organ. Die Milz sei dadurch abgestorben.

Diese Verletzung zwingt Neff zu höchster Vorsicht. An oberster Stelle stehe nun, eine mögliche Ruptur der verschlossenen Arterie zu vermeiden. Denn würde diese reissen, hätte dies eine innere Blutung und eine weitere Notoperation zur Folge. Die US-amerikanischen Ärzte haben ihr daher verordnet, sich in den kommenden drei Monaten so wenig wie möglich zu bewegen, um den Blutdruck tief zu halten. Neff wird bis Ende März kein Rennen absolvieren können. Dabei hätte sie gerne Mitte Februar, nach den Quer-Weltmeisterschaften in Dübendorf, ihre Rennsaison auf dem Bike gestartet. Sie dürfte somit mindestens sechs Wochen ihres Grundlagentrainings verlieren, das sie im Hinblick auf die Olympischen Spiele geplant hatte.

Patrik Noack, Neffs Arzt in der Schweiz, gibt sich allerdings noch nicht allzu pessimistisch. Er sagt, wenn Neff in einer Woche aus den USA zurückkehre, wolle er sich erst einmal selber ein Bild vom Zustand der Athletin machen. Und es gäbe genug Beispiele von anderen Spitzensportlern, die ohne Milz ganz gut zurechtgekommen seien.

Ungeachtet dessen kommt die Verletzung für Neff just in einem Moment, in dem sich bei ihr alles im Umfeld so gut einzupendeln schien, dass man an eine erfolgreiche Olympia-Kampagne glauben mochte. Das Testrennen auf der Olympiastrecke von Tokio im vergangenen Oktober hatte sie gewonnen. Der anspruchsvolle Kurs dürfte ihr entgegenkommen; ihr Team Trek hat viel in die Materialentwicklung investiert. Und mit ihrem Energiesparmodus im Winter schien sie sich auch mit ihren Kritikern zu versöhnen, die ihr immer wieder vorgeworfen hatten, dass sie sich zu wenig auf die wirklich wichtigen Rennen fokussiere. In Sachen Erholung drifteten die Meinungen von ihr und ihrem erfolgreicheren Landsmann Nino Schurter weit auseinander.

Kontrollfreak gegen Wildfang

Schurter, der Kontrollfreak, schwört darauf, dass sich ausreichende Ruhephasen zwischen den Highlights auszahlen. Neff, der Wildfang, hielt stets dagegen und verwies auf das niederländische Multitalent Mathieu van der Poel. Dieser schaffe es auch, fast jede Woche ein Rennen zu absolvieren und trotzdem erfolgreich zu bleiben. Jedes Rennen bringe sie wieder ein Stück weiter. Am Ende müsse jeder selber wissen, was für ihn das Richtige sei, sagte Neff im November. Aber Wildfang bleibt eben Wildfang, und so crashte sie vor zwei Wochen in einen Haufen Baumstämme. Man kann den Unfall auch als Warnung interpretieren, dass Neff in ihrer Karriere nicht mehr allzu leichtfertig Risiken eingehen sollte.

Neffs Ausfall bedeutet auch, dass die Quer-Weltmeisterschaften in Dübendorf ihres einheimischen Stars beraubt werden. Die St. Gallerin wäre aus den Reihen von Swiss Cycling die Einzige gewesen, die sich in den zwei Elitekategorien Chancen auf einen Spitzenrang hätte ausrechnen dürfen – auch wenn sie die Erwartungen zuletzt dämpfte. Neff meinte, aufgrund ihres reduzierten Winterpensums werde man ihr an den Weltmeisterschaften den fehlenden Rennrhythmus anmerken, die Quer-Spezialistinnen hätten da sicher einen Vorteil. «Ein Medaillengewinn wäre eine Sensation», sagte sie.

Aber Neff sah es als eine Verpflichtung an, der Veranstaltung ihre Aufwartung zu machen. Wenn Swiss Cycling schon den Aufwand betreibe, um die Quer-WM nach mehr als zwei Jahrzehnten wieder in die Schweiz zu holen, wolle sie etwas zurückgeben. Für die Organisatoren dürfte Neffs Ausfall in der Tat ein herber Verlust sein, war es doch bisher sonst schon schwierig genug, das nötige Mass an Aufmerksamkeit und Geld für den Anlass zu generieren.

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