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Spitzenmanager - Iqbal Khan drückt der UBS seinen Stempel auf

Mit dem Wechsel des Ex-Credit-Suisse-Banker Iqbal Khan sind bei der UBS hunderte Management-Stellen bedroht. Er hält sich an das Drehbuch seines alten Arbeitgebers. Eine Tageszusammenfassung.

Mit einem Umbau will UBS-Hoffnungsträger Iqbal Khan die Vermögensverwaltungssparte der Schweizer Grossbank auf Vordermann bringen. Drei Monate nach Khans Amtsantritt als Chef der Sparte stellten er und Co-Divisionsleiter Tom Naratil den Mitarbeitern am Dienstag ihren Marschplan für das Schlüsselgeschäft des Konzerns vor. Mit dem Abbau von bis zu drei Management-Ebenen will die Doppelspitze die Voraussetzung schaffen, dass die Berater schneller auf die Bedürfnisse der Kunden reagieren können. UBS hofft, dadurch das Wachstum in ihrem Kerngeschäft ankurbeln zu können. Der Sanierung dürften einem Insider zufolge Hunderte von Stellen im mittleren Management zum Opfer fallen.

Mit Kundengeldern von 2,5 Billionen Dollar ist die UBS der weltweit grösste Vermögensverwalter für reiche Privatkunden. Doch zuletzt konnte das Institut in diesem Kerngeschäft, aber auch konzernweit die Erwartungen oft nicht erfüllen. Neuen Schub soll nun Khan bringen, der Anfang Oktober den Posten des glücklosen ehemaligen Commerzbank-Chefs Martin Blessing übernahm.

Khan und Naratil kamen im Rahmen einer mehrmonatigen Analyse nun zum Schluss, dass die UBS zwar ein hervorragendes Angebot habe. "(Aber) unsere Kunden und unsere Berater müssen davon einfacher und schneller profitieren können", hiess es in einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden internen Memo an die Belegschaft. Die beiden wollen die Division nun straffen und eine flachere Hierarchie einführen. Einer mit der Situation vertrauten Person zufolge könnte das rund zwei Prozent der zuletzt 22.748 Mitarbeitern den Job kosten. Dies würde knapp 500 Stellen entsprechen. "Wir bringen unsere Berater näher an das Senior Management heran als jemals zuvor", sagte Khan zu Reuters.

Die Region Europa, Naher Osten und Afrika (Emea) stellen die beiden Manager neu auf. Mit sofortiger Wirkung werde die Region in die drei Einheiten EU, Zentral- und Osteuropa sowie Naher Osten und Afrika unterteilt. Geleitet werden die Einheiten von Christl Novakovic, Caroline Kuhnert und Ali Janoudi. Die bisherige Emea-Chefin Novakovic muss sich damit mit einer bescheideneren Rolle begnügen.

Meisterprüfung für Khan?

Neben der neuen Aufteilung des Europa-Geschäfts hält sich Khan auch bei anderen Massnahmen an das Drehbuch, dem er bereits bei seinem alten Arbeitgeber Credit Suisse gefolgt war. Dazu gehörte die verstärkte Vergabe von Krediten an reiche Privatkunden und eine Verzahnung der Vermögensverwaltung mit der Investmentbank. "Wir wollen den Vermögensverwaltungskunden die Produktepalette anbieten, die bisher Firmenkunden vorbehalten war", sagte Naratil. Zudem will UBS den eigenen Kunden nicht nur Anlagen in Drittfirmen ermöglichen, sondern auch in die privat gehaltenen Unternehmen von anderen Vermögensverwaltungskunden, und damit von beiden Seiten Gebühren einstreichen. Insgesamt könnte die UBS mit diesen Massahmen die verwalteten Vermögen um jährlich rund 75 Milliarden Dollar steigern, rechnete Khan vor.

Der Schweizer Khan und der Amerikaner Naratil dürften damit auch versuchen, die Profitabilität zu verbessern. Bei Credit Suisse konnte Khan den Vorsteuergewinn innerhalb von drei Jahren mehr als verdoppeln. Für ihn steht bei der UBS viel auf dem Spiel. Hat er Erfolg, gilt er als Favorit für die Nachfolge von Konzernchef Sergio Ermotti. Die Anleger zeigten Vorfreude: Die UBS-Aktie kletterten um zwei Prozent.

(Reuters)

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