Aufregerthemen Schliessen

Deutschland bei der Handball-EM - Der Kapitän jubelt von draußen mit

Zum EM-Auftakt trifft Uwe Gensheimer den gegnerischen Torwart im Gesicht und sieht Rot. Ohne ihn gewinnt das deutsche Handball-Team 34:23 gegen die Niederlande.

Die deutschen Handballer haben ihr Auftaktspiel bei der Europameisterschaft gewonnen, aber schön war's nicht. Vor 4057 Zuschauern im Spectrum von Trondheim besiegte die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) den EM-Neuling Niederlande nur dem Ergebnis nach standesgemäß, 34:23 (15:13). Das Team von Bundestrainer Christian Prokop hatte den Erfolg erst in der Schlussphase in die Höhe geschraubt; zu verdanken war er vor allem dem starken Torwart Andreas Wolff sowie Kai Häfner und Jannik Kohlbacher (jeweils fünf Tore). Wenn die deutschen Handballer in ihrer nächsten Vorrundenpartie gegen Titelverteidiger Spanier (Samstag, 18.15 Uhr/ARD) eine Chance haben wollen, müssen sie sich steigern.

Während die Handballerinnen aus den Niederlanden im Dezember erst Weltmeisterinnen geworden sind, sind die Handballer von dort froh, zum ersten Mal überhaupt bei einem internationalen Turnier dabei zu sein. "Den Frauen können wir nicht das Wasser reichen", gibt Fabian van Olphen zu, einer der wenigen auch außerhalb des Landes bekannten Handballer: "Wir sind schon stolz, dass wir uns qualifiziert haben."

Für das Turnier hat der Trainer Erlingur Richardsson sechs Bundesliga-Profis in seinen 16er-Kader berufen, van Olphen war aber nicht dabei. Der 38-Jährige vom TBV Lemgo war als Abwehrchef eingeplant gewesen, wurde aber wegen einer Knieverletzung fürs Erste nicht berücksichtigt. Das trübte die ohnehin geringen Aussichten der Niederlande weiter. Van Olphen selbst hatte den Klassenunterschied so beschrieben: "Um eine Chance zu haben, müssten wir bei 120 Prozent und die Deutschen bei 70 liegen."

Selbst die hochgelobte Abwehr zeigt Schwächen

In diese Richtung tendierten die deutschen Handballer dann tatsächlich. Gerade als sie in Schwung gekommen und nach einem 0:2-Rückstand 10:4 in Führung gegangen waren (15.), kamen sie auch schon wieder aus dem Rhythmus. Kapitän Uwe Gensheimer verwarf einen Siebenmeter, bereits seinen zweiten an diesem Abend, und weil er dabei den Torwart Bart Ravensberger so schwer im Gesicht getroffen hatte, dass dieser zu Boden ging, sah er dafür auch die rote Karte. Eine Aktion, bei der man in einer unbedrängten Position den gegnerischen Torhüter am Kopf trifft, fällt unter die Rubrik Unsportlichkeit/gefährliches Spiel - die Entscheidung war somit völlig regelkonform.

Weil kurz danach auch Kai Häfner eine Zwei-Minuten-Strafe absitzen musste, kamen die Niederländer in Überzahl wieder heran. Mittels eines vorgezogenen Verteidigers, der die Kreise des deutschen Spielgestalters störte, bremsten sie den Spielfluss der deutschen Handballer weiter. Kurz vor der Pause führten diese nur noch mit einem Tor, 12:11. Auch als sie nach der Halbzeit wieder Fahrt aufnehmen wollten, kamen sie wieder ins Stolpern: Eine Zeitstrafe und ein Wechselfehler bescherten ihnen erneut eine doppelte Unterzahl und den Niederländern die Gelegenheit, aufzuschließen, diesmal auf 16:15 (34.).

Selbst die hochgelobte Abwehr war nicht immer auf der Höhe, bekam die niederländischen Rückraumspieler Kay Smits (sieben Tore) und Luc Steins (sechs) kaum in den Griff. Aber dann gelang es den Torhütern Andreas Wolff und Johannes Bitter, den einen oder anderen Wurf abzuwehren, so dass die Deutschen mühsam, aber stetig davonzogen.

Ähnliche Shots
Die meist populären Shots dieser Woche