Aufregerthemen Schliessen

Starkregen in Salzburg hält an - Hallein von Hochwasser schwer getroffen

Der Halleiner Bürgermeister sprach von einer "Katastrophe". In der Nacht gab es 670 Feuerwehreinsätze im ganzen Land. Auch im Pinzgau ist die Situation kritisch. Im Berchtesgadner Land sind zwei Tote zu beklagen.

Der Halleiner Bürgermeister sprach von einer "Katastrophe". In der Nacht gab es 670 Feuerwehreinsätze im ganzen Land. Auch im Pinzgau ist die Situation kritisch. Im Berchtesgadner Land sind zwei Tote zu beklagen.

Die prognostizierte Starkregenfront hat in Salzburg am späten Samstagabend zu schweren Schäden geführt. Besonders betroffen ist Hallein, wo der Kothbach nach einer Verklausung über die Ufer getreten ist. Die Wassermassen haben große Teile der Altstadt überflutet. Auch Personen mussten aus der Gefahrenzone mittels Hubschrauber geborgen werden. Verletzte oder vermisste Personen gibt es nach aktuellem Stand nicht, die Schäden sind aber enorm.

Auch Sonntagmorgen gab es keine Entwarnung in der Stadt Hallein. Es werden weitere starke Regenfälle erwartet und damit verbunden kann es auch zu weiteren Überflutungen kommen. Derzeit stimmt sich der Katastrophenschutz der Bezirke mit den anderen Beteiligten ab und verschafft sich einen Überblick über die Gesamtlage.

Ein Bach wurde zum reißenden Fluss

Gegen Mitternacht konnte die Verklausung am Kothbach gelöst werden. Sonntagfrüh war die Situation für viele Bewohner aber nach wie vor schwierig. "Auch wenn für viele die Situation hoffnungslos erscheint: Bewahren Sie möglichst Ruhe, die Einsatzkräfte arbeiten am Limit, wir rechnen damit, ab morgen Früh Entwarnung geben zu können", schrieb Bürgermeister Alexander Stangassinger Sonntagfrüh via Facebook. Die Bevölkerung soll nach wie vor Kellerräume und tieferliegende Räume meiden. "Die Gefahr von unerwarteten Überflutungen und damit verbundenen Gefahren ist zu hoch", so Stangassinger. Aufgrund der aktuellen Wettersituation sei es noch zu früh, um Entwarnung zu geben. Stangassinger sprach noch am Samstagabend von einer "Katastrophe". Das Land löste Zivilschutzalarm aus. Die Bevölkerung wurde aufgefordert in den Häusern zu bleiben, Tiefgaragen und Keller nicht zu betreten und sich von den Dämmen der Fließgewässer fernzuhalten. In der Neuen Mittelschule im Stadtteil Burgfried wurde eine Notunterkunft eingerichtet für jene, deren Wohnungen nicht erreichbar waren.

Feuerwehren aus dem Lungau, dem Tennengau und der Stadt Salzburg werden am Sonntag zur Unterstützung erwartet. "Es schaut furchtbar aus", berichtete der Finanzvorstand der in Hallein-Taxach ansässigen Firma Emco, dessen Sohn in der Altstadt wohnt. Gegenüber der Altstadt, wo Rettenbacher selbst lebt, hofften die Bewohner, von den Wassermassen verschont zu bleiben. "Mehr kann man leider nicht tun."

Kritische Situation in Mittersill, Campingplatz Lofer evakuiert

Laut Landeswarnzentrale führte der Starkregen bis Sonntagfrüh zu 670 Einsätzen im ganzen Bundesland. 2300 Feuerwehrleute standen oder stehen im Einsatz. Die Starkregenfront hat das Bundesland Salzburg vor allem in den Nordstaulagen am Samstagabend getroffen. Hohe Pegelstände sowie Erdrutsche waren die Folge, bisher liegen den Behörden keine Meldungen über verletzte Personen vor. Besonders betroffen sind die Bezirke Pinzgau und Tennengau. Auch in Mittersill wurde Katastrophenschutzalarm ausgerufen.

Kurz nach Mitternacht wies die Salzach in Mittersill die Alarmstufe 2 auf. Die neue Hubbrücke in Mittersill wurde erstmals angehoben. "Das hat viel gebracht. Derzeit steht der Pegel bei 5,80 Meter. Das ist der Höchststand. Wir haben noch 20 Zentimeter", sagt Fabian Scharler von der Feuerwehr Mittersill Sonntagmorgen. Das Wasser wird derzeit kontrolliert in die Retentionsräume abgeleitet und Felder überflutet. "Dadurch sollte Entlastung geschaffen werden."

Auch im Saalachtal und an der mittleren Salzach (Pongau) wurden Warngrenzen erreicht. In Neukirchen (Obersulzbach) mussten in der Wiesensiedlung die Bewohner in den oberen Stockwerken bleiben. In Kuchl evakuierten die Einsatzkräfte nach einem Erdrutsch drei Häuser. Alle Personen kamen bei Verwandten oder Bekannten unter. In Lofer wurde der Campingplatz vorsorglich evakuiert. Jene Personen, die nicht mit dem Wohnwagen - diese wurden auf dem Großparkplatz im Ort abgestellt- , sondern mit dem Zelt den Campingplatz nutzten, kamen in der Mittelschule Lofer in einem Notquartier unter.

Stadt Salzburg: "Der Schutz wird halten"

In der Stadt Salzburg wurde Sonntagfrüh an der Messstelle der Nonntaler Brücke die Alarmstufe 2 erreicht. Die Berufsfeuerwehr mithilfe der freiwilligen Feuerwehren hatte am Samstagabend den mobilen Hochwasserschutz an 50 Stellen entlang der Salzach aufgebaut. Sonntagfrüh lag der Pegel bei 6,50 Meter. "Der Schutz wird halten", sagte Stefan Krakowitzer von der Berufsfeuerwehr Sonntagfrüh. Erwartet werde, dass die Pegelstände der Salzach in der Stadt nur noch leicht steigen. 70 Einsätze wurden bereits absolviert, vorwiegend wegen überfluteter Keller und Tiefgaragen. "Wir haben noch in der Nacht Großalarm für die Berufsfeuerwehr ausgelöst. Die ganze Mannschaft ist im Dienst."

In der Stadt Salzburg wurde ein mobiler Hochwasserschutz aufgebaut. SN/fmt
In der Stadt Salzburg wurde ein mobiler Hochwasserschutz aufgebaut.

Auch die Reitbergsiedlung in Eugendorf wurde von den Wassermassen getroffen, wie Bilder belegen.

Die Reitbergsiedlung in Eugendorf wurde überflutet. SN/fmt
Die Reitbergsiedlung in Eugendorf wurde überflutet.
Entspannung erst am Sonntagabend

Laut Katastrophenschutz und Hydrographischem Dienst des Landes Salzburg wird der Regen noch bis mindestens Sonntagmittag anhalten, erst am Sonntagabend wird mit einer Entspannung der Lage gerechnet. "Durch den flächigen und intensiven Niederschlag in einem relativ kurzen Zeitraum werden die vielen Zubringer die Saalach und Salzach auf jeden Fall anschwellen lassen", erklärte Barbara Staudinger vom Hydrographischen Dienst des Landes Salzburg. Laut Katastrophenschutz kann es noch bis Sonntag zu Unterspülungen, Wassereintritten und Beeinträchtigungen des Verkehrs kommen. Mit den Einsatz- und Rettungsorganisationen sowie mit der ZAMG werde enger Kontakt gehalten, um schnell reagieren zu können. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, bei Starkregenfällen unnötige Fahrten und Spaziergänge zu vermeiden.

Katastrophenfall auch in Bayern: Zwei Tote im Berchtesgadner Land

Betroffen ist auch das benachbarte Deutschland. Überflutete Straßen, Erdrutsche, evakuierte Häuser und möglicherweise zwei Todesopfer - nach starkem Regen hat der Landkreis Berchtesgadener Land in Oberbayern am späten Samstagabend den Katastrophenfall ausgerufen. Zwei Menschen starben in dem Hochwassergebiet. Es sei bei einem Todesfall aber noch unklar, ob dieser in Zusammenhang mit dem Hochwasser stehe, sagte die Sprecherin des Landratsamts Berchtesgadener Land, Alexandra Rothenbuchner. Die Feuerwehr war seit Samstagabend in dem Landkreis mit rund 500 Einsatzkräften nach sintflutartigem Regen im Dauereinsatz. Das Wasser schieße aus den Bergen, gleichzeitig stiegen die Pegelstände des Flusses Ache an.

Betroffen waren vor allem die Orte Berchtesgaden, Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Marktschellenberg und Ramsau im äußersten Südosten Bayerns. Dort trat das Wasser stellenweise über die Ufer und überflutete Straßen. Hänge rutschten ab. Rund 65 Personen mussten aus ihren Häusern gebracht werden.

Medien berichteten von Rekord-Pegelständen an der Ache - bis 22.00 Uhr lagen sie schon bei etwa 3,75 Metern. Bilder zeigen Straßen, die sich in reißende Bäche verwandeln. Menschen waten knietief im Wasser. Alle paar Hundert Meter sei die Feuerwehr im Einsatz, berichtet ein Augenzeuge. Traktoren räumten Schutt beiseite. Zum Teil stehe das Wasser bis zu 50 Zentimeter hoch.

Überflutungen auch in anderen Bundesländern

Sintflutartige Regenfälle haben in der Nacht zum Sonntag auch weitere Teile Österreichs erfasst. In Tirol, Oberösterreich und der Bundeshauptstadt Wien waren die Feuerwehren im Dauereinsatz. In Kufstein wurden die Menschen aufgefordert, Gebäude nicht zu verlassen und sich in höhere Stockwerke zurückzuziehen. Im Stadtgebiet erreichte das Wasser der Zulaufbäche des Inns bereits die Straßen. Wegen möglicher Erdrutsche wurde ein Teil der Felbertauernstraße gesperrt.

In Wien sorgten starker Regen und Gewitter für Hochbetrieb bei den Feuerwehren. Meist wurden die Feuerwehrleute wegen überfluteter Keller oder Unterführungen gerufen, bis zum Sonntagmorgen berichtete die Berufsfeuerwehr von über 500 Einsätzen.

Ähnliche Shots
Die meist populären Shots dieser Woche