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Giannis Antetokounmpo: ein Basketballer wie ein Halbgott

Der 26-Jährige führt die Milwaukee Bucks zum NBA-Meistertitel. Seine Dienste sind sündhaft teuer, seine Lebensgeschichte so spannend wie ein griechisches Epos.

NBA Meistertitel

Der «Greek Freak» sorgt für eine Basketball-Sensation: Giannis Antetokounmpo ist ein irdischer Halbgott

Der 26-Jährige führt die Milwaukee Bucks zum NBA-Meistertitel. Seine Dienste sind sündhaft teuer, seine Lebensgeschichte so spannend wie ein griechisches Epos.

Kaum zu stoppen: Giannis Antetokounmpo wurde zum besten Spieler des NBA-Finals gewählt.
Kaum zu stoppen: Giannis Antetokounmpo wurde zum besten Spieler des NBA-Finals gewählt.

AP

Während Superstar LeBron James grad im galaktischen Basketball-Blockbuster «Space Jam 2» über die Kinoleinwände flimmert, passiert auf den irdischen Basketballplätzen von Milwaukee wahrhaft Magisches. In der Nacht auf Mittwoch haben die Milwaukee Bucks zum ersten Mal seit einem halben Jahrhundert die NBA-Meisterschaft gewonnen. Der historische Sieg ist zu grossen Teilen das Verdienst des griechisch-nigerianischen Wunderkinds Giannis Antetokounmpo.

Die Geschichte des 26-jährigen Ballkünstlers liest sich wie ein modernes griechisches Helden-Epos. Antetokounmpo, der in den USA wegen seines komplizierten Namens und seiner riesenhaften Erscheinung (2.11 Meter gross, 110 Kilogramm schwer, die drittgrössten Hände der NBA-Geschichte) nur «the Greek Freak» genannt wird, kam als dritter von fünf Söhnen einer nigerianischen Flüchtlingsfamilie in Athen zur Welt.

Als Kind verkaufte er auf den Strassen der Stadt Sonnenbrillen an Touristen. Mit dem Basketball-Spielen fing er nur widerwillig an. Doch das Versprechen von monatlich 200 Dollar für sein Mitwirken in einer Jugendauswahl nahm er an.

Er stand kurz davor, alles abzubrechen – aus Heimweh

2013 wurde er von den Milwaukee Bucks in die USA geholt, wollte aber nach einer Saison wieder abreisen, weil seine Eltern keine Visa erhielten. Der heimwehgeplagte 18-Jährige drohte:

«Wenn meine Mutter nicht hierhinkommen darf, gehe ich wieder nach Griechenland.»

Heute fühlt er sich in der Provinzstadt nördlich der Metropole Chicago pudelwohl. Sein älterer Bruder Thanasis spielt im selben Team, die beiden jüngeren Kostas und Alex verdienen sich ihr Geld bei anderen amerikanischen Basketball-Clubs. Nur der Älteste, Francis, ging einen anderen Weg: Er ist Profi-Sänger.

Die fünf Antetokounmpo-Brüder: Francis, rot umkreist, 1,95 Meter gross, wirkt neben seinen riesigen Brüdern wie ein Zwerg.
Die fünf Antetokounmpo-Brüder: Francis, rot umkreist, 1,95 Meter gross, wirkt neben seinen riesigen Brüdern wie ein Zwerg.

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In seinen acht Jahren in der besten Liga der Welt hat sich der Ausnahmekönner, der beim entscheidenden Spiel 50 Punkte zum 105 zu 98-Sieg gegen die Phoenix Suns beisteuerte, eine riesige Fangemeinde aufgebaut. Sein unbändiger Wille, seine extreme Physis und seine Treue zu Milwaukee und der griechischen Diaspora sind legendär.

Deutliche Botschaft an alle Kritiker

Er hilft hie und da in der Suppenküche aus und verteilte bei den Black-Lives-Matter-Protesten im Sommer Wasser an die Demonstrierenden. «Ich könnte auch einfach zu einem Star-Team gehen und dort brav meine Rolle spielen», sagte er nach dem letzten Spiel. «Es wäre einfach, so zu gewinnen. Aber hier bleiben, mit diesem Team, in dieser Stadt, das ist der einzig richtige Weg, es zu tun.»

Kritik an seinem Spielstil – etwa vom bärtigen Starspieler James Harden, der ihm vorwirft, er sei «riesig, aber gänzlich ohne Talent» – lächelt Antetokounmpo diplomatisch weg. Stattdessen sagt er: «Wer immer ihr seid, was immer man euch sagt: Glaubt an euch, dann schafft ihr alles, was ihr wollt.»

Ein Mann, zwei Pokale: «The Greek Freak» gewann den NBA-Meistertitel und die Auszeichnung zum besten Spieler der Final-Serie.
Ein Mann, zwei Pokale: «The Greek Freak» gewann den NBA-Meistertitel und die Auszeichnung zum besten Spieler der Final-Serie.

AP

Das klingt naiv aus dem Mund eines globalen Superstars. Fast so naiv wie das Versprechen, das er Milwaukee mit 19 gemacht hatte. «Ich werde bleiben, bis wir eine Meisterschaft gewonnen haben», sagte «the Greek Freak» damals. Das Versprechen hat er eingelöst. Weiterziehen wird er trotzdem kaum. Erst im Dezember 2020 hat er einen Fünfjahresvertrag unterzeichnet. Bis 2026 bringt der ihm mindestens 228 Millionen Dollar ein – und wenn er so weiterspielt wohl auch noch ein paar Trophäen.

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