EHC Olten: Die grosse Analyse von Christian Wohlwend nach ...

Swiss-League-Playoffs
Die grosse Analyse von Trainer Christian Wohlwend nach grenzenloser Freude: Diese fünf Punkte entschieden die Serie für den EHC Olten
Der EHC Olten eliminiert im Playoff-Viertelfinal sensationell den aufstiegswilligen Meister HC La Chaux-de-Fonds. Trainer Christian Wohlwend macht in seiner Analyse fünf Punkte aus, welche die Serie zugunsten des EHC Olten entschieden.
Exklusiv für Abonnenten
Trainer Christian Wohlwend auf dem Eis an vorderster Front am Feiern: «Das ist der Oberhammer! Ich habe mega Freude – das ist der verdiente Lohn für die Mannschaft. Da ist etwas Schönes entstanden.»
Marc Schumacher / freshfocus
Als Guillaume Asselin nach fantastischer Vorarbeit von Florian Schmuckli den EHC Olten mit seinem Overtimetreffer zum 3:2-Sieg erlöst, gibt es im Kleinholz kein Halten mehr. Die Zuschauer lassen das Stadion beben, die Spieler liegen sich in den Armen. Der HC La Chaux-de-Fonds? Am Boden zerstört. Besiegt. Begraben die Aufstiegsträume. Saisonende.
Der Jubel kennt beim EHC Olten keine Grenzen. Schliesslich wagt sich auch der Trainerstaff um Headcoach Christian Wohlwend und Assistent Ramon Schaufelberger zur Mannschaft auf das Glatteis, sitzt gar gemeinsam mit den Spielern auf das Eis und lässt sich von den Fans feiern.
Der Schlussjubel der Mannschaft und Trainerstaff (rechts) vor der Oltner Fankurve.
Marc Schumacher / freshfocus
Wenig später, hoch oben über der EHCO-Garderobe, lässt sich Headcoach Christian Wohlwend in seinem Trainerbüro in den Stuhl fallen, der Zeitpunkt ist da, innezuhalten, durchzuatmen: «Das ist der Oberhammer! Superlässig, oder? Ich habe mega Freude – das ist der verdiente Lohn für die Mannschaft, die mitgezogen ist. Da ist etwas Schönes entstanden», freut sich Wohlwend.
Matchwinner Guillaume Asselin.
Marc Schumacher / freshfocus
16-seitiges Playbook als Ansporn zum Erfolg
Nach einer mehr als durchzogenen Qualifikation, welche der EHC Olten auf Platz sieben beendete, «passiert etwas» mit der Mannschaft vor Playoffbeginn, erklären mehrere Spieler. Das Team rückt zusammen, tritt als Einheit auf, zeigt viel Kampfgeist und noch mehr Herzblut. Dieses legte bereits Wohlwend und Schaufelberger in der spielfreien Woche vor Playoffstart an den Tag, als sie auf freie Tage verzichteten, um ein 16-seitiges Heft, ein sogenanntes Playbook, über den Gegner HC La Chaux-de-Fonds zu erstellen.
Das Playbook des EHCO-Trainerstaff
Im Hochglanz-Magazin mit professionellem Layout weisen Wohlwend und Schaufelberger auf die eigenen Schlüsselpunkte hin, zeigen die Stärken und Schwächen des Meisters auf, gehen auf die Überzahl und Unterzahl ein, illustrieren die Statistiken und widmen sich nicht zuletzt ausgiebig HCC-Goalie Viktor Östlund. Alles wichtige Punkte, die zentral waren auf dem Weg zur Sensation.
Frage an den Headcoach: Ist das einer seiner grössten Erfolge? Christian Wohlwend tut sich schwer damit, nur wenige Minuten nach dem Overtimesieg diese Errungenschaft einzuordnen, macht darauf aufmerksam, dass er als Headcoach mit dem HC Davos Dritter wurde. «Auf Stufe Swiss League ist das natürlich ein ganz spezieller Erfolg», sagt er.
Christian Wohlwend macht in seiner Analyse zur Serie fünf entscheidende Punkte zum Erfolg aus:
1. Der Verlauf der Serie: Die Wut im Bauch kanalisiert
Die Serie begann denkbar ungünstig für den EHC Olten: Nach einem Spiel auf Augenhöhe schiesst der HC La Chaux-de-Fonds das entscheidende Tor in der Verlängerung. Dank eines Treffers, der nicht hätte zählen dürfen, weil vor jenem Angriff nach Ansicht des EHC Olten die Scheibe das Spielfeld kurzzeitig verlassen hatte.
«Wir haben, wie ich finde, unfair verloren – wir alle haben uns darüber sehr geärgert. Aber es hat uns stark gemacht. Wir konnten die Wut im Bauch kanalisieren, weil wir die Erkenntnis hatten, dass wir spielerisch dabei sind.»
Den Ärger zum Guten wenden konnte die Mannschaft stets auch, wenn sich die Oltner wieder mal von den Spielleitern benachteiligt fühlten. Mit 27 Zweiminutenstrafen gegenüber 14 Zweiminutenstrafen fasste der EHC Olten fast doppelt so viele kleine Vergehen wie der HC La Chaux-de-Fonds. Und dennoch schafften es die Oltner, sich auf die eigene Leistung zu konzentrieren – eine entscheidende mentale Höchstleistung.
Selbst in den letzten zwei Spielen, als der HC La Chaux-de-Fonds bis kurz vor Schluss (Spiel fünf) oder gar bis zum Ende (Spiel sechs) völlig strafenfrei über die Runden kam, blieb die Mannschaft fokussiert und konzentriert. «Irgendwann hätten die Schiedsrichter auch die eine oder andere Strafe gegen sie aussprechen dürfen. Doch so war es nicht», sagt Wohlwend schulterzuckend und ergänzt: «Wir zogen unser Ding durch und hielten uns dennoch am Gameplan fest. Das macht mich besonders stolz.»
2. Das Lineup: Plötzlich alle im Boot
Die Verletzungshexe fühlte sich über die gesamte Qualifikation hinweg wieder mal besonders wohl im Kleinholz. In Spitzenzeiten hatte der EHCO fast ein Dutzend verletzte Spieler zu beklagen. Aber: Just zum Start der Meisterschaftsentscheidung waren plötzlich alle wieder fit, bis auf Spielmacher Stan Horansky sowie Luca De Nisco waren alle Leistungsträger wieder zurück im Boot – ein entscheidender Faktor, der viel gewichtiger war als etwa die drei Ajoie-Ausleihspieler Bastien Pouilly, Tim Minder und Kyen Sopa. «Das hat der Mannschaft natürlich auch aufgezeigt, dass etwas Grosses möglich ist», bilanziert Wohlwend.
3. Der Goalie: Lucas Rötheli als Faktor X
Das kumulierte Schussverhältnis über sämtliche sechs Spiele hinweg spricht Bände: 277 Torschüsse feuerte der HC La Chaux-de-Fonds aus allen Lagen ab, während der EHCO gerade mal 174 Abschlüsse verzeichnete – was 103 Torchancen weniger sind. Um diese Serie mit solch deutlichen Zahlen dennoch gewinnen zu können, braucht es einen exzellenten Torhüter.
Und diese Rolle nahm Lucas Rötheli mit einer beeindruckenden Ruhe ein: Der 22-Jährige war der Faktor X in dieser Serie. «Er spielte unfassbar gut. Er war der entscheidende Spieler, das haben uns bei der Verabschiedung auch Trainer Louis Matte und Sportchef Loic Burkhalter des HC La Chaux-de-Fonds so gesagt», erzählt Wohlwend.
4. Das Boxplay: Mit Herz und Leidenschaft
27 Zweiminutenstrafen gegenüber deren 14: Beinahe doppelt so oft musste der EHC Olten in Unterzahl spielen. In zwei Dutzend Penalty Killings (PK) erzielte der HC La Chaux-de-Fonds bloss drei (!) Powerplaytore. Ein meisterlicher Boxplay-Wert für den EHC Olten, der jeweils in diesen Phasen seine Playoffwerte Kampfgeist, Herz und Leidenschaft erst recht aufs Eis brachte. Wohlwend: «Wir haben es unglaublich gut gespielt. Sie haben nie eine Lösung gefunden. Wir haben sie im PK zermürbt – das beste Powerplay-Team der Liga!» Die Zahl dazu: Powerplay-Effizienz des HCC brach von 30% (Quali) in den Playoffs auf 13% ein.
5. Die Taktik: Aus dem Westen nichts Neues
Man mag dem HC La Chaux-de-Fonds Arroganz vorwerfen, doch der Meister verliess sich stets auf seine bekannten Stärken, er drehte im Verlauf der Serie kaum ein Taktik-Rädchen. Christian Wohlwend erstaunt es rückblickend, dass der HCC auch selbst unter Druck stehend kaum taktische Anpassungen vornahm - getreu dem Motto: Aus dem Westen nichts Neues. «Uns ist es immer sehr gut gelungen, die Mannschaft gut auf den Gegner einzustellen», sagt Wohlwend.
Personell reagierte der HCC lediglich auf Spiel fünf hin mit einem Importwechsel von Pulkkinen zurück zu Owre, welcher für Spiel sechs wieder rückgängig gemacht wurde. Und selbst den regeltechnischen Vorteil des Wechselns bei Heimspielen nahm der HCC nie in Anspruch. «Uns gelang es selbst in La Chaux-de-Fonds immer wieder, mit unserer Obrist-Checkerlinie ihre erste Sturmlinie aus dem Spiel zu nehmen.»
Nun gegen den EHC Basel: Das nächste Playbook entsteht
«Unsere Freude ist riesig», schliesst Wohlwend seine Analyse ab und blickt voraus. Ab kommendem Freitag trifft der EHC Olten im Playoff-Halbfinal auf den EHC Basel. Während die Mannschaft zwei Tage Erholung erhält und ab Mittwoch die Vorbereitung aufnimmt, gibt es für Trainer Christian Wohlwend und Assistent Ramon Schaufelberger keine Verschnaufpause.
Denn den Anspruch, die Mannschaft auch gegen den EHC Basel gut einzustellen, ist mehr denn je da: «Die Zeit ist knapp, aber wir möchten wieder ein Playbook erstellen. Dann werden wir uns im Training auf die Serie einstellen und werden am Freitag bereit sein», sagt Wohlwend und grinst.
Mehr Artikel dieser Gemeinden
Schweiz
Argentina
Australia
Austria
Brazil
Canada
Chile
Czechia
France
Germany
Greece
Italy
Mexico
New Zealand
Nigeria
Norway
Poland
Portugal
Sweden
United Kingdom
United States