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TV-Produktion in Australien: Warum die neue Staffel für Protest sorgt

Trotz verheerender Brände in Australien findet dort das Dschungelcamp statt. Kritiker werfen dem Sender RTL Geschmacklosigkeit vor. Sonja Zietlow verteidigt den Dreh - wie auch Dr. Bob, der um sein Haus bangt.

In Australien fürchten derzeit viele Einwohner um ihre Existenz, und rund eine Milliarde Tiere sind laut Experten in den Feuern umgekommen. Dass RTL am Freitagabend (21.15 Uhr) dennoch die neue Staffel "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!" dort startet, sorgt für reichlich Kritik. "Hallo RTL, in Australien sterben gerade Menschen & Millionen Tiere und ihr wollt wirklich ab Freitag von dort das #Dschungelcamp senden?", fragte beispielsweise ein Twitter-Nutzer.

Die Debatte zeige, dass viele es geschmacklos fänden, das Dschungelcamp trotz verheerender Brände in Australien stattfinden zu lassen, teilte etwa die medienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, die Bundestagsabgeordnete Elisabeth Motschmann, mit. "In Australien brennen die Wälder, ein ganzer Kontinent leidet unter dem Feuer. Menschen und Tiere sterben, viele verlieren ihre Häuser. Die Umwelt wird großflächig zerstört. Dies ist nicht die geeignete Szenerie für eine leichte Unterhaltungssendung wie das 'Dschungelcamp'", sagte Motschmann. Zuvor hatte bereits der SPD-Bundestagspolitiker Karl Lauterbach an RTL appelliert, das Dschungelcamp dieses Jahr abzublasen. "Das Ganze erinnert an den Tanz auf dem Vulkan", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Die Show wird bereits zum 14. Mal aus dem australischen Dschungel übertragen und gehört trotz sinkender Zuschauerzahlen jedes Jahr zu den Quotengaranten des Privatsenders. "Wir verfolgen die dramatische Situation in Australien genau", sagte ein RTL-Sprecher. Das Areal, auf dem das Dschungelcamp in Australien liegt, sei nicht von den Buschbränden betroffen. RTL will außerdem während der Staffel immer wieder auf die Thematik eingehen.

Dr. Bob hat sein Haus geräumt

Man habe sich zudem mit teils direkt betroffenen australischen Crewmitgliedern ein persönliches Bild von der Situation gemacht, sagte ein Sprecher des Senders. Einer davon: Dr. Bob. Der Camparzt habe vor einigen Tagen sein Haus evakuiert und alles, was ihm und seiner Frau wichtig ist, in Sicherheit gebracht, sagte er RTL. Seine ganze Heimatstadt sei leer. "Nun hoffen wir auf den richtigen Wind und dass die Feuerwehr das Schlimmste verhindern kann“, sagte Dr. Bob, der etwa 200 Kilometer südlich von Sydney im Kangaroo Valley lebt.

Moderatorin Sonja Zietlow verteidigte die Show derweil gegen die Vorwürfe. "Unsere australischen Kollegen sind mehr als dankbar, ihren Job bei IBES nicht (auch noch) zu verlieren!", schrieb sie auf ihrer Facebook-Seite. "Diese Arbeit sichert ihnen nicht nur im Januar gutes Einkommen."

Auch Dr. Bob betonte, dass die Arbeit beim Dreh eine gute Ablenkung für ihn sei. "Besser, ich arbeite hier konzentriert und genieße die Zeit, als dass ich zugucke, wie mein Zuhause abfackelt."

Dieses Mal kein Lagerfeuer im Camp

In jedem Fall haben die Feuer Auswirkungen auf die Kandidaten: In diesem Jahr können sie nicht mehr am Lagerfeuer sitzen, weil das aus Sicherheitsgründen durch einen Campingkocher ersetzt wird - zum ersten Mal in der Geschichte der deutschen Show. Das Feuer spielte bislang eine wichtige Rolle dabei: Stets musste es nachts von mindestens zwei Campern bewacht werden, damit es nicht erlischt. Eine weitere Neuigkeit wurde bereits am Mittwoch bekannt gegeben: In der neuen Staffel sollen keine lebenden Tiere wie etwa Maden verzehrt werden.

Wer ab dem 10. Januar im Dschungelcamp zu sehen sein wird, lesen Sie hier. 2019 hatte sich Evelyn Burdecki die Dschungelkrone erkämpft. Wie unsere Expertin Anja Rützel das letzte Dschungelcamp-Finale vor dem Fernseher erlebte, können Sie hier nachlesen.

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