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Dreikönigstag: Kein Hoch auf die Könige!

Wer sich die heutigen Königinnen und Könige anschaut, wird kaum neidisch werden. König-Sein ist primär eines: mühsam.

Wer sich die heutigen Königinnen und Könige anschaut, wird kaum neidisch werden. König-Sein ist primär eines: mühsam.

Samuel Schumacher
Samuel Schumacher

Kaiser, das war ich mal. Beim Jugendfest in Villmergen 1994. Während alle anderen Kindergärtner als chinesische Reisbauern verkleidet durch die Strassen marschieren mussten, wurde ich in goldgelbe Gewänder gehüllt auf einem Wagen durchs Dorf gekarrt und musste der Menge zuwinken.

Unangenehm war mir das. Und entsprechend froh bin ich, dass ich es nie zum König schaffte. Am Dreikönigstag biss immer irgendjemand anders auf den weissen Plastiksplitter. Mein Neid hält sich in Grenzen. Denn ganz ehrlich: Wer will denn heute schon König sein?

In Spanien müssen sie zwischen zerstrittenen Separatisten und Sozialisten vermitteln, in England die mutmasslichen Sex-Eskapaden des eigenen Sohnes ertragen, in Thailand sperren sie ihre Geliebten ein, und in Bhutan fragen sie sich, wie lange es noch dauert, bis sie – wie einst alle anderen Königreiche im Himalaja – vom indischen Riesen im Süden verschlungen werden.

Und sowieso geht’s uns als Normalsterbliche heute viel besser als den allermeisten Königen der Menschheitsgeschichte: Wir brauchen nicht das Schwert unserer Neider zu fürchten wie einst Wilhelm III, wir schlafen weicher gebettet als Kleopatra und essen wesentlich reichhaltiger als Louis XIV es je getan hat.

Von daher: Kein Hoch auf die Könige! Und falls Sie’s heute trotzdem werden: Keine Sorge, es geht vorbei.

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