Aufregerthemen Schliessen

Das ist der Mann, der Djokovic zappeln lässt

Im Fall Djokovic warten alle auf die Entscheidung von Alex Hawke. Wer ist der Minister, der alleine über die Teilnahme des Tennis-Stars an den Australian Open entscheidet? Hawke ist nicht unumstritten.

Das Schicksal des Tennis-Weltranglistenersten Novak Djokovic liegt derzeit in den Händen eines einzigen Mannes – zumindest was die Teilnahme des 34-Jährigen an den Australian Open betrifft. Dank des so genannten „Biosecurity Act“ darf Alex Hawke, seit Ende 2020 australischer Minister für Einwanderung und Staatsbürgerschaften, allein darüber entscheiden, ob das Visum des ungeimpften serbischen Tennisprofis aufgehoben wird. Das dürfte Hawke laut Gesetz dann tun, wenn er Djokovics Aufenthalt in Melbourne als Gefahr für die öffentliche Gesundheit des Landes einstuft.

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Wer ist der Mann, der Djokovic und seine Fans so zappeln lässt? Der 44-Jährige gehört der konservativen Mitte-Rechts-Partei „Liberal Party“ an und ist wegen seiner eigenen teilweise höchst konservativen Ansichten nicht unumstritten. So gilt der bekennende Christ Hawke als erklärter Gegner der Homoehe. Als das Parlament 2017 gleichgeschlechtliche Ehen legalisierte, soll er sich der Stimme enthalten haben. Später setzte er sich dafür ein, homo- und bisexuelle Schüler vom Unterricht an religiösen Schulen auszuschließen. Auch hat er mehrfach betont, es sei nicht Aufgabe der Regierung, den Klimawandel zu bekämpfen.

Der Politiker, der in Wollongong an der Ostküste geboren wurde und in Sydney Regierungsarbeit und öffentliche Arbeit studiert hat, war auch mehrere Jahre beim Militär. Seit 2013 ist er in zweiter Ehe verheiratet. Er hat vier Kinder und gilt als enger Vertrauter von Premierminister Scott Morrison, mit dem er Berichten zufolge auch die gleiche Bibelstudiengruppe besucht. Hawke sitzt seit 2007 im australischen Parlament. Bevor er Einwanderungsminister wurde, war er als Minister für internationale Entwicklung und den Pazifik und als Vize-Verteidigungsminister tätig.

Auch am Donnerstag ließ der Minister mit seiner Entscheidung weiter auf sich warten. Djokovic war vergangene Woche die Einreise verweigert worden, weil er nicht gegen das Coronavirus geimpft ist und den Behörden die Dokumentation seiner medizinischen Ausnahmegenehmigung nicht ausreichte. Zwar kippte ein Gericht am Montag diese Entscheidung – aber das letzte Wort hat Alex Hawke.

Wie entscheidet sich Hawke?

Für einen kurzen Moment sah es am Donnerstag so aus, als stünde die Entscheidung im Fall Djokovic unmittelbar bevor. Aus dem Nichts verschoben die Macher der Australian Open die für 15.00 Uhr Ortszeit angesetzte Auslosung für das erste Grand-Slam-Turnier der Tennis-Saison. Bedeutete das etwa, dass Hawke eine Entscheidung getroffen hatte? Muss Djokovic das Land doch noch verlassen? Etwa eine Stunde und eine Pressekonferenz von Regierungschef Morrison ohne Neuigkeiten in der Causa später fand die Auslosung doch statt – mit dem Weltranglistenersten, dem für die erste Runde sein serbischer Landsmann Miomir Kecmanovic zugelost wurde.

Aber ob es diese Partie jemals geben wird, ist nach wie vor ungewiss. Allein Hawke hat es in der Hand, ob Djokovic ab Montag um seinen zehnten Australian-Open-Titel kämpfen darf, oder ob ihm das Visum abermals entzogen wird und er Australien doch noch verlassen muss. Doch Hawke zögert weiter, auch am dritten Tag nach Djokovics Erfolg vor Gericht hat er sich noch nicht zu dem Fall geäußert, der die ganze Tennis-Welt, Australien und Serbien derzeit mehr als alles andere beschäftigt.

Regierungschef Morrison wollte seinem Minister nicht vorgreifen und verweigerte einen Kommentar zu dem Thema. „Das sind persönliche ministerielle Vollmachten, von denen Minister Hawke Gebrauch machen kann, und ich werde das zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter kommentieren“, sagte Morrison in Canberra. Nach einem Bericht der Zeitung „The Age“ soll die Entscheidung nun frühestens am Freitag fallen. Das Blatt berief sich dabei auf Regierungskreise.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass neue Informationen der Anwälte des 34 Jahre alten Djokovic den Zeitrahmen für die Entscheidung Hawkes verschoben hatten. Nach dem Fiasko für die Regierung im ersten Gerichtsverfahren, als Djokovic das Visum wegen eines Formfehlers wieder ausgehändigt werden musste, will der Minister offenbar dieses Mal eine Entscheidung treffen, die den ganz sicher zu erwartenden Einsprüchen der Djokovic-Anwälte für den Fall einer abermaligen Ausweisung standhält.

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