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Gröbenzell/Bergdoktor-Mama mailt Gesundheitstipps an Lady Gaga | Gröbenzell

Am Donnerstag um 20.15 Uhr startet im ZDF die 13. Staffel: „Der Bergdoktor“ ist seit der Erstausstrahlung 2008 ein Quoten-Knüller. Von Anfang an dabei ist Monika Baumgartner - ein Gespräch mit der Gröbenzellerin.
  • Peter Loder
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Am Donnerstag um 20.15 Uhr startet im ZDF die 13. Staffel: „Der Bergdoktor“ ist seit der Erstausstrahlung 2008 ein Quoten-Knüller. Von Anfang an dabei ist Monika Baumgartner - ein Gespräch mit der Gröbenzellerin.

Die Film-Mutter von Hauptdarsteller Dr. Martin Gruber (alias Hans Sigl) ist in Gröbenzell daheim. Im Tagblatt-Interview gibt die 68-Jährige einen Einblick in ihr Leben, das sie an der Seite des Rechtsanwalts Johann Böhmer verbringt. 

Fast 90 Minuten – also eine Spielfilmlänge – plauderte die Schauspielerin Monika Baumgartner im Café am Gröbenbach munter drauf los. Sie erzählte über den Tiroler Drehort in Ellmau, über seltene Krankheiten und Lady Gaga, wie sie mit dem Star-Kult umgeht, warum sie gerne in einer Quiz-Show wäre, was sie gerade am Böhmerweiher ärgert und warum sie bis ans Lebensende vor der Kamera oder auf der Bühne stehen wird.

Frau Baumgartner, eigentlich sind Sie ja schon im Rentenalter. Warum schauspielern Sie noch?

Ich habe doch einen Traumberuf, komme unter die Leute und habe immer mit anderen Menschen zu tun. Und im Gegensatz zu vielen anderen habe ich einen Beruf, der wahnsinnig Spaß macht. Ich darf dort arbeiten, wo andere Urlaub machen. Es freut mich deshalb, dass ich gesund bin und arbeiten kann. Da geh’ ich doch nicht in Rente.

Das mit der Gesundheit war aber nicht immer so.

Ich hatte von 18 bis 33 Jahren einen Tumor in der Leiste. Die Ärzte haben lange nichts gefunden und dachten, das hätte psychische Ursachen. Da denkst du dann schon, du hast einen Schaden auf der Festplatte. Ich hatte Tag und Nacht Schmerzen. Erst mit Erfindung des CT hat man den Tumor gesehen.

Doch jetzt mit 68 Jahren sind Sie wieder fit?

Vor drei Jahren bin ich eines Morgens aufgewacht und konnte mich nicht mehr bewegen. Das ging dann ein Dreivierteljahr. Ich war bei zig Ärzten, dann kam die Diagnose: Fibromyalgie. Ich kam mir vor, als wenn ich auf den Nanga Parbat gestiegen wäre. Das ist wie ein intensiver Muskelkater im ganzen Körper. Ich habe dann im Internet über die Krankheit recherchiert. Zu 99 Prozent trifft es Frauen. Weil: Alles machen, alles tun, g’schafteln, sie kümmern sich um alles. Die Familie, die Kinder, den Mann, den Beruf. Diese Krankheit hast du dein Leben lang. Bei Dreharbeiten im Dezember in Ellmau konnte ich nicht mehr ins Auto einsteigen. Ich habe geweint und bin zusammengebrochen.

Das klingt ja dramatischer als im Film. Wie ging es weiter?

Der Hans (Anm. d. Red: Hans Sigl, der Bergdoktor) hat seinen Freund angerufen. Einen Arzt. Dr. Mooslehner in Going gleich neben Ellmau. Der hat bis Drehschluss am Abend in der Praxis gewartet. Ich habe ihm meine Krankheitsgeschichte erzählt. Seine Diagnose: Polymyalgie. Das ist genau das gleiche Krankheitsbild wie Fibromyalgie, aber es kommt von einer starken Erkältung. Der Körper regeneriert sich zwar, kämpft aber innerlich weiter. Irgendwann kommt es zum Ausbruch. Nach der Behandlung mit einer winzigen Menge Cortison konnte ich mich wieder bewegen.

Das heißt, Sie müssen jetzt immer Cortison spritzen.

Nein, eben nicht. Seitdem geht’s wieder. Das ist aber kein Wunderdoktor. In Deutschland werden diese Blutwerte nicht geprüft, in Österreich schon. Die ganzen Rheumatologen bei uns kommen nicht weiter, weil sie es nicht testen. Stellen Sie sich das mal vor. Das ist doch Wahnsinn. In Deutschland müssen tausende Frauen ihr Leben lang Tabletten nehmen, nur weil es bei uns diesen Test nicht gibt und sie falsch diagnostiziert wurden.

Dann hat Ihr österreichischer Arzt jetzt mehr deutsche Patientinnen?

Ich habe tatsächlich schon viele Frauen zu ihm geschickt. Und ich habe sogar Lady Gaga geschrieben, weil ich über sie einen Artikel gelesen habe, wonach sie wegen Fibromyalgie ihre Konzerte abgesagt hatte. Ich habe ihr geraten, sich doch mal auf Polymyalgie untersuchen zu lassen.

Bei Ihnen ist der Terminkalender nun wieder voll?

Sicher, vor dem Jahreswechsel war es wieder ganz besonders heftig. Da hatte ich 17 Weihnachtslesungen in ganz Bayern.

Was lesen Sie da?

Die „Heilige Nacht“ von Thoma. Ich bin die einzige Frau, die das liest. Diesmal waren wir unter anderem in Landshut, Memmingen und Neustadt an der Waldnaab. Verschiedene andere Weihnachtsgeschichten habe ich in Freising und Mühldorf gelesen. Freilich denke ich manchmal: Warum tue ich mir das an? Aber ich sage Ihnen ganz ehrlich: Wenn Sie dann dort sind und da warten 700 Leute auf Sie, ist das ein Traum. Da kriegt man soviel zurück. Ich habe für dieses Jahr auch schon wieder zwölf Anfragen.

Sind Sie in Ellmau schon Ehrenbürgerin?

Nein, bisher noch nicht. Aber Ellmau hat durch uns in diesen 13 Jahren natürlich schon einen erheblichen Imagegewinn erlangt.

Wie oft sind Sie in Tirol?

Wir drehen jetzt dann wieder das Winter-Special, das im Januar 2021 ausgestrahlt wird. Bei mir ist das ja so: Ich habe nicht so viele Drehtage wie der Hans. Es wird immer komprimiert gedreht nach Motiven. Das heißt, wir drehen nur am Hof zwei oder drei Tage, dann an anderen Motiven und in der Praxis. Wir drehen bis zu zehn Szenen am Tag.

Ihr Kollege Christian Kohlund ist als Film-Onkel ausgestiegen. Wie geht’sin der Serie weiter?

Die Autoren haben sich etwas einfallen lassen.

Sie bekommen einen neuen Partner?

Das glaube ich nicht. Ich bin jetzt die Älteste am Set, seitdem der verstorbene Sigi Rauch nicht mehr da ist – leider.

Haben Sie es irgendwann bereut, die Bergdoktor-Mutter-Rolle angenommen zu haben? Sie sind ja jetzt fixiert darauf.

Mei, da ist halt so. Man muss sich entscheiden. Und in meinem Alter: Was will ich erwarten? Wir hatten im Oktober eine Bergdoktor-Gala in Ellmau. Da warten 4000 Leute auf einen. Besser geht’s doch nicht. Ich weiß, dass ich im ganzen Jahr Drehtage habe. Das ist super. Von Ende Mai bis Mitte Dezember drehen wir jetzt wieder sieben neue Folgen. Und dann muss man schauen, wie’s weitergeht. Der Hans hat für zwei weitere Jahre unterschrieben. Ob er dann noch weitermachen möchte? Keine Ahnung.

Es wird aber dann doch keinen anderen Bergdoktor geben?

Ich denke mir, beim ZDF sagen sie: Das Format passt, dann wird es mit jemand anderem weitergehen. Aber ich weiß es nicht.

Na gut, den Sohn kann man ja nach Amerika schicken. Aber die Mama austauschen, geht das?

Was mit uns allen dann passiert, das wissen wir nicht.

Haben Sie privat eigentlich auch Kontakt zu IhrenSerienkollegen?

Ja, natürlich. Wir schreiben uns regelmäßig.

Wenn Sie in Gröbenzell zum Einkaufen gehen: Wie werden Sie angesprochen?

Manche sagen Frau Baumgartner. Viele auch Frau Gruber – aber mit Absicht. Die meisten Leute sind ja nett. Letzte Woche zum Beispiel nach dem Winter-Special haben etliche gesagt: Mei, Gottseidank geht’s wieder los, wir freuen uns schon. Das ist doch super. Es wär’ schlimm, wenn die Leute sagen würden: Mei, der Schmarrn scho wieda.

Ihr Kollege Hans Sigl ist Dauergast bei Quiz-Sendungen. Haben Sie noch nie eine derartige Anfrage bekommen?

Ich bin noch nie eingeladen worden. Schade. Ich würde gern kommen. Der Hans macht das super und hat schon wahnsinnig viel Geld für wohltätige Zwecke gewonnen.

Ihr Raumausstattungsgeschäft an der Kazmairstraße in München betreiben Sie gemeinsam mit Ihrer Schwester weiterhin?

Freilich. Und das schon seit 23 Jahren. Wir polstern und verkaufen in erster Linie Vorhänge, Gardinen, Sonnenschutz, Teppiche oder Parkettböden. Wenn ich Zeit habe, stehe ich im Geschäft. 2019 war das beste Jahr. Und wissen Sie warum? Weil die Welt so aus den Fugen gerät und die Leute nur Mist sehen, dann wollen sie es sich wenigstens dahoam schöner machen.

Sie sind ja auch politisch sehr interessiert. Der Kommunalwahlkampf geht bald wieder los. Greifen Sie ein?

Ich durfte mal auf Einladung der Grünen den Bundespräsidenten mitwählen. Ich wurde auch schon gefragt, ob ich politisch selbst aktiv werden möchte. Aber erstens bin ich schon zu alt, und zweitens habe ich keine Zeit. Ohnehin bin ich nicht dafür geeignet – egal, für welche Partei. Allein sich an den Fraktionszwang halten zu müssen, würde mich zerreißen. Ich kann doch nicht andauernd den Mund halten, wenn mir was nicht passt.

Da gibt’s noch den Böhmerweiher, der mit Ihnen in Verbindung steht und für kommunalpolitischen Zündstoff sorgt.

Den hat mein Mann vor ein paar Jahren verkauft. Damit ist er die Verantwortung für Badeunfälle, Müll und Vandalismus los. Aber es ist nach wie vor ärgerlich, weil die Gröbenzeller Grünen sich aus Prinzip gegen alles sperren. Nicht einmal eine Wasserwacht oder einen kleinen Kiosk wollen sie zulassen. Und Parkplätze natürlich schon gleich gar nicht.

Das passt ja eigentlich nicht in die heile Bergdoktor-Welt.

Der Bergdoktor ist eine ganz eigene Sache. Es sind die Bestimmungen vom Sender. Es darf bei uns beispielsweise nicht regnen, es muss zwingend immer schönes Wetter sein.

Wie macht Ihr das eigentlich? Es kann ja an den Drehtagen nicht immer die Sonne scheinen.

Ganz einfach: Wenn’s regnet, wird innen gedreht. Wir richten uns zur Planung nach der Wettervorhersage.

Sind Sie eigentlich immer im gleichen Hotel?

„Der Bär“ in Ellmau, ein wunderbares Hotel. Ich fühlte mich dort nach 13 Jahren mittlerweile irgendwie dahoam. Man kennt sich, ist per Du. In eineinhalb Stunden fährt man von Gröbenzell hin. Es ist wie Urlaub machen und du kriegst auch noch Geld dafür. Du schaust hundertmal auf den Wilden Kaiser und immer schaut er anders aus.

Jede Staffel hat jetzt sieben Folgen mit je 90 Minuten. Früher war das aber anders.

Früher waren es 14 jeweils 45-minütige Folgen. Das fand ich viel besser, weil wir doppelt so lange auf Sendung waren. So sind wir jetzt Ende Februar schon wieder weg vom Fenster und die Leute fragen ab März: Wann geht’s weiter?

Müssen Sie Ihre Drehbücher intensiv lernen oder machen Sie das mittlerweile mit Routine?

Ich weiß mittlerweile, wie die Autoren ticken. Und man kann auch kurzfristig etwas ändern. Wir kennen uns alle so gut, dass so etwas problemlos geht.

Was ist eigentlich aus der BR-Serie „Monaco 110“ geworden? Da waren Sie in der Polizeidienststelle die Hauptdarstellerin.

Die wurde leider eingestellt, weil wir keine zweistelligen Einschaltquoten erreicht haben. Es gab zu dieser Zeit drei bayerische ARD-Vorabendserien. „Hubert und Staller“, „München 7“ und eben „Monaco 110“. Da haben die anderen Bundesländer gesagt: Das geht nicht. Weil wir gerade neu waren, hat es dann uns getroffen. Schade, dass wir durch das Raster gefallen sind. Ich habe die Rolle unendlich gern gespielt.

Trotzdem war Ihnen in den letzten beiden Jahren nicht langweilig.

Zeit, um mich auf die Couch zu legen, hatte ich wenig. Außer dem Bergdoktor hatte ich noch einen Rosamunde-Pilcher-Dreh in England, war bei „Soko“ und stand in Kufstein im Anatevka-Musical auf der Bühne.

Sie singen auch?

Ja, das erste Mal in meiner Karriere. Können Sie sich das vorstellen? Bei Anatevka live gesungen mit einem 48-Mann-Orchester und Kollegen der Wiener Volksoper. Ich habe mir noch gedacht: Brauch’ ich das, wenn in meiner Vita steht, dass die alte Baumgartnerin nicht singen kann? Aber dann habe ich doch Unterricht genommen. Und die zehn Vorstellungen mit jeweils 2000 Zuschauern waren wirklich super. Immer Standing Ovations. Ich wundere mich heute noch darüber, dass ich das geschafft und es mir zugetraut habe. Ich kann noch nicht mal Noten lesen. Ein Jahr zuvor habe ich dort als Münchnerin die österreichische Kaiserin Maria Theresia gespielt. Meine Rolle wurde extra in die „Zigeunerbaron“-Operette eingebaut. Allerdings musste ich da noch nicht singen.

Gibt es eigentlich eine Traumrolle, die Sie noch gerne mal spielen wollen?

Meine Traumrolle, die ich leider verpasst habe, war die Katharina in „Der Widerspenstigen Zähmung“. Was ich noch gerne spielen würde, wäre der Boandlkramer beim Brandner Kaspar. Das geht auch als Frau wunderbar.

Waren Sie eigentlich schon mal auf dem Traumschiff?

Leider nicht. Ich hatte vergangenes Jahr ein Angebot und hätte nach Kolumbien mitreisen sollen, musste aber ablehnen, weil ich furchtbar seekrank werde. Auch auf eine Lesereise zu den Kanaren musste ich verzichten. Okay, es gibt Tabletten. Aber die machen furchtbar müde. Ich kann doch nicht eine Lesereise machen und dann einschlafen.

Schauen Sie sich den Bergdoktor heute Abend an?

Natürlich, ich habe die Endfassung ja vorher genauso wenig gesehen wie das Publikum.

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