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Schalkes Abstieg - Fehler auf dem Rasen und im System

Der FC Schalke 04 muss den Weg in die Zweitklassigkeit antreten. Die Fehler wurden aber nicht nur auf dem Rasen gemacht. Das von Clemens Tönnies hinterlassene Machtvakuum enthüllte die Fehler im Schalker System gnadenlos.
Personalchaos um Bentaleb und Harit

Auch der Umgang Schneiders mit Spielern wie Nabil Bentaleb oder Amine Harit, die mehrfach suspendiert wurden, dann aber plötzlich doch wieder im Schalker Kader standen, war nicht mehr als ein hilfloser Zickzack-Kurs, der die Mannschaft und das Umfeld des Klubs irritierte.

Uwe Kemmer wollte deshalb im Aufsichtsrat eine Diskussion über Schneider und dessen Zukunft führen. "Dazu gab es aber keinerlei Bereitschaft", sagt der Ex-Aufsichtsrat, der daraufhin kurz vor Weihnachten spontan zurücktrat.

Im Februar rollte dann doch eine Entlassungswelle über den Klub. Die sportliche Lage hatte sich so katastrophal entwickelt, dass der Aufsichtsrat zum Handeln gezwungen war. Schneider und Gross wurden beurlaubt. Auch die übrige sportliche Leitung, darunter Teamkoordinator Sascha Riether, Athletiktrainer Werner Leuthard und auch Co-Trainer Rainer Widmayer mussten gehen. So etwas hatte es auf Schalke noch nicht gegeben. Das alles geschah allerdings viel zu spät, um noch einen Wandel herbeiführen zu können.

Keine Vorbereitung?

Die Vereinssatzung sieht vor, dass der Aufsichtsrat einen neuen Sportvorstand bestellt. Der Klub schien allerdings gar nicht vorbereitet auf solch eine Entscheidung. Der damalige Knappenschmiede-Leiter Peter Knäbel übernahm zunächst interimsmäßig den Posten als Vorstand Sport. "Ich bin froh, dass uns Peter Knäbel so spontan geholfen hat", sagte AR-Chef Buchta rückblickend mit ein paar Wochen Abstand.

Parallel dazu laufen in Gelsenkirchen emotionale Diskussionen um eine Ausgliederung des Klubs. Würde aus der Profiabteilung eine Kapital-Gesellschaft werden, würde der Status der Ehrenamtlichkeit entfallen, und es könnten gezielt Personen mit Sportexpertise eingestellt werden. Das würde zwar auch nicht vor Fehlern schützen, zumindest aber hätte der Klub eine solidere Grundlage für gravierende Entscheidungen.

Im Vereinsrecht (fast) alles möglich

Aber auch bei der Beibehaltung des eingetragenen Vereins (e.V.) - wie es sich viele Mitglieder wünschen - gibt es Möglichkeiten, bessere Strukturen zu schaffen. "Im Vereinsrecht ist so gut wie alles möglich", sagt Professor Lars Leuschner, Experte für Bürgerliches Recht, Handels- und Gesellschaftsrecht von der Universität Osnabrück der Sportschau.

So könnte etwa ein mit Fachleuten besetztes Gremium zwischen Vorstand und Aufsichtsrat eingesetzt werden, das für wichtige Personal-Entscheidungen zuständig ist. Und das bereits vorher Kandidaten sucht und auswählt.

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