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Ukrainische Boeing 737 mit über 170 Personen an Bord bei Teheran abgestürzt | NZZ

Bei dem Absturz eines Flugzeugs vom Typ Boeing 737 bei Teheran sind vermutlich über 170 Personen ums Leben gekommen. Es ist unklar, ob das Ereignis im Zusammenhang mit der Eskalation zwischen den USA und Iran steht. Iranische Staatsmedien sprachen in ers

Bei dem Absturz eines Flugzeugs vom Typ Boeing 737 bei Teheran sind vermutlich über 170 Personen ums Leben gekommen. Es ist unklar, ob das Ereignis im Zusammenhang mit der Eskalation zwischen den USA und Iran steht. Iranische Staatsmedien sprachen in ersten Meldungen von technischen Problemen. 

Trümmer des ukrainischen Passagierflugzeugs bedecken ein Feld in einem Vorort von Teheran. Laut Medienberichten starben alle 180 Menschen an Bord der Boeing 737.
Trümmer des ukrainischen Passagierflugzeugs bedecken ein Feld in einem Vorort von Teheran. Laut Medienberichten starben alle 180 Menschen an Bord der Boeing 737.

Ruhollah Vahdati / EPA

Am Mittwochmorgen ist eine ukrainische Passagiermaschine kurz nach dem Start in der Nähe des Teheraner Imam-Khomeini-Flughafens abgestürzt. Der Chef der Rettungskräfte sagte im iranischen Staatsfernsehen, die über 170 Passagiere und Crewmitglieder seien allesamt ums Leben gekommen. Die Boeing 737 sei kurz nach dem Abflug in Brand geraten. Laut Medienberichten war die Maschine der Airline MAU (Ukraine International Airlines) auf dem Weg von Teheran nach Kiew.

Mehrheit der Opfer sollen Iraner sein

Laut dem ukrainischen Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat hatten 168 Passagiere für den Flug eingecheckt. Zudem seien neun Crew-Mitglieder an Board gewesen. Das staatliche iranische Press TV zitierte einen Sprecher des Flughafens der sagte, dass die meisten Passagiere Iraner gewesen seien. Unter den Todesopfern sind nach Angaben des ukrainischen Aussenministeriums 82 Iraner, 63 Kanadier, 11 ukrainische Staatsbürger – 9 davon Besatzungsmitglieder –, 4 Afghanen, 10 Schweden, 3 Deutsche und 3 Briten, sagte der ukrainische Aussenminister. Bei einer Mehrheit der Todesopfer handelt es sich vermutlich um Doppelbürger. 

Auf einem vom Iran-Korrespondenten der BBC über Twitter veröffentlichten Video war ein brennendes Flugzeug und nach ein paar Sekunden eine enorme Explosion zu sehen. Auf sozialen Netzwerken verbreitete Fotos des Unglücksorts zeigten zudem ein Bild der Verheerung. Von der Boeing scheinen nur wenige verkohlte Teile übrig geblieben zu sein. 

Bisher ist unklar, ob das Ereignis mit der Eskalation zwischen Iran und den USA nach der Tötung von General Kassem Soleimani zusammenhängt. Wenige Stunden zuvor hatte es einen iranischen Vergeltungsangriff auf zwei amerikanische Militärbasen im Irak gegeben. Das iranische Staatsfernsehen machte am Mittwochmorgen jedoch technische Probleme als Ursache für den Absturz verantwortlich, ohne genauer auf Details einzugehen.

In der Zwischenzeit haben Rettungskräfte die Black Box der Maschine gefunden. Informationen sind diesbezüglich aber noch keine bekannt.

Falsche Identifikation möglich

Kurz nach iranischen Raketenangriffen auf Militärstützpunkte im Irak in der Nacht auf Mittwoch hatte die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA amerikanischen Flugzeugen die Nutzung des Luftraums in Teilen des Nahen Ostens untersagt. Über dem Persischen Golf, dem Golf von Oman, im Irak und in Iran dürften in den USA registrierte Flugzeuge «wegen erhöhter militärischer Aktivitäten und steigender politischer Spannungen» nicht mehr operieren, hiess es in einer Mitteilung. Es gebe ein erhöhtes Risiko, das ein Flugobjekt falsch identifiziert werde.

#Breaking First footage of the Ukrainian airplane while on fire falling near #Tehran pic.twitter.com/kGxnBb7f1q

— Ali Hashem علي هاشم (@alihashem_tv) January 8, 2020

Der amerikanische Hersteller des Flugzeugs erklärte auf Twitter, man sei über die Ereignisse in Teheran informiert und trage gerade mehr Informationen zusammen. Sollte sich die Theorie eines technischen Problems bestätigen, wird sich der Druck auf Boeing weiter erhöhen. Die Glaubwürdigkeit des amerikanischen Herstellers hat bereits schwer durch zwei Abstürze von Boeing 737-Max-Jets gelitten, die insgesamt 346 Menschenleben gekostet haben. Im März wurde dieser Flugzeugtyp wegen Sicherheitsrisiken weltweit aus dem Verkehr genommen. Bei der Boeing 737-800 waren bisher allerdings keine Probleme bekannt gewesen.

Selenski bricht Oman-Besuch ab

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski brach auf Grund der Ereignisse einen Besuch in Oman ab und kehrte umgehend nach Kiew zurück. Man bemühe sich darum, die Hintergründe des Absturzes und die Opferzahlen zu klären, sagte er und sprach den Angehörigen der verunglückten Passagiere und Crew-Mitglieder sein Beileid aus. Die Fluggesellschaft MAU wird vom Oligarchen Kolomoiski kontrolliert, dem eine Nähe zu Selenski nachgesagt wird. Insofern könnte das Unglück auch für den Präsidenten noch unangenehme Folgen haben.

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